Ecco Le Marche

Was macht „unseren“ kleinen Ort Poggio Cupro mit seinen knapp über 250 Einwohnern so besonders? Uns fallen da schon einmal vier Gründe ein:

1) DAS VERDICCHIO RACE:

Wer hätte je gedacht, dass Sport-Enthusiasten aus der ganzen Welt einmal auf unser Dörfchen gucken würden? So geschehen im Jahre 2013, als die Downhill-Skater die Abfahrt vom Dorf ins Tal für ihre nationalen und internationalen Meisterschaften nutzten. Das atemberaubende Rennen, das quasi vor unserer Haustüre stattfand, war ein Qualifikationsrennen für die Weltmeisterschaft! Was einmal als kurioses und spannendes Amateuer-Seifenkistenrennen begann, entwickelte sich seitdem zum professionellen „Verdicchio“-Rennen, bei dem sich die Athleten auf einem Skateboard stehend oder liegend mit um die 90 km/h die kurvenreiche und langgezogene Abfahrt hinunterstürzen.

2) EIN BEFESTIGTES KLOSTER:

Trotz seiner dicken Befestigungsmauern residierte in Poggio Cupro nie der Adel, sondern Mönche! Bereits 1199 erwähnte Papst Innozenz III. die Existenz der Kirche San Salvatore in Poggio. Im 13. Jahrhundert war dann bereits von einem befestigten Priorat der Kamaldolenser-Mönche die Rede. Die Gemeinschaft wuchs 1451, als weitere Kamaldolenser-Mönchen das ganz in der Nähe gelegene Romita-Kloster den Franziskanern überließen und ebenfalls nach Poggio zogen. Papst Innozenz X. verkündete allerdings 1656 die Schließung des Klosters und baute außerhalb der Dorfmauern eine neue Kirche für die Gläubigen, die 1985 zu einem Kindergarten umgebaut wurde.

Poggio Cupro

3) AUTHENTISCHE MITTELALTER-ATMOSPHÄRE:

Wer vom Tal aus den Berg hinaufkommt, den beeindruckt das seit dem 13. Jahrhundert mehrfach umgebaute Burgdörfchen mit seinen hohen Mauern und Befestigungen.

Die massive „Porta“ ist auch heute noch der einzige Zugang zum Ortskern:

Wer hindurchschreitet, dem fallen sofort die kleinen, engen Gassen ins Auge. Man braucht keine Zeitmaschine, um sich im Mittelalter zu fühlen: Gut, ein paar Blumentöpfe oder eine Dekoration an der Tür mögen moderner sein, aber die Atmosphäre spürt man sofort.

Das erste Gäßchen endet an der Stadtmauer und einer Wiese mit Spielplatz. Wer über den Rand schaut, sieht, wie hoch das Dorf liegt und wenn wir ganz genau hinsehen, können wir eine Ecke von unserer Casa in der umliegenden Landschaft erblicken.

Durch das kleine Dörfchen schlendernd landen wir schließlich auf der Piazzetta, dem Dorfplatz. Einst eine eigenständige Gemeinde, wurde Poggio Cupro in der napoleonischen Zeit 1812 unter die Herrschaft des nahegelegenen Maiolati Spontini gestellt, um 1827 dauerhaft und bis heute dem damaligen Massaccio (dem heutigen Cupramontana) angegliedert zu werden.

Poggio Cupro bedeutet „Anhöhe der Cupra“. Die Göttin Cupra wurde von den Picenern verehrt, einem italienischen Ur-Volk, das im 5. und 6. Jahrhundert in den Marken lebte. In manchen historischen Schriften wird es auch als „Poggio di Cupra“ oder „Poggio Cupo“ erwähnt.

Im 19. Jahrhundert war auf der Piazzetta sogar eine Ölmühle in Betrieb, von der noch einige Mühlsteine zu sehen sind.

Die Kirche, die der Ursprung des damaligen Klosters war, ist auch noch erhalten. Ihr dreieckiger Turm fällt direkt ins Auge, ebenso wie das Kirchenportal:

Über dem Eingang lesen wir, dass Prior Angelus im Jahre 1516 die Renovierung der Kirche in Auftrag gab. Die beiden Tauben und der Kelch sind das Symbol der Kamaldolenser-Mönche, denen der Prior angehörte.

Das Innere der Kirche besticht durch seine Harmonie und Schlichtheit.

Dennoch gibt es einige interessante Details:

  • eine hölzerne Christusstatue aus dem 16. Jahrhundert, die während der Karfreitagsprozession getragen wird.
  • ein Fresko des Sankt Florian aus dem Jahr 1460 und damit die älteste Darstellung dieses Heiligen in den Marken. Es wurde 1965 bei Restaurierungsarbeiten wiederentdeckt.
  • Der Holzdeckel eines Taufbeckens aus dem 16. Jahrhundert. Solche hölzernen Abdeckungen sind nur noch selten erhalten.
  • Eine Kanzel aus dem 15. Jahrhundert, die sich oben an der Seitenwand befindet und die noch ihre ursprüngliche Farben behalten hat.

Bei einem Tag der offenen Tür wurde darüberhinaus eine kleine Seitentür der Kirche fürs Publikum geöffnet. Über eine schmale Treppe gingen wir hinauf und waren überrascht, in einem kleinen Garten oberhalb der Stadtmauern zu stehen! Ein wundervoller Ort mit einer großartigen Aussicht, dazu ein alter Brunnen und Rosensträucher. Die Frau des Küsters hatte den Garten bis vor kurzem gepflegt, musste dies aber aus Gesundheitsgründen aufgeben.

Wir verlassen Poggio Cupro wieder durch die „Porta“, nur dass wir unter dem Torbogen einmal nach oben schauen, um das Madonnenfresko zu bewundern, das der Maler und Architekt Pietro Paolo Agabiti 1529 geschaffen hat.

4) EIN BEWOHNTES DORF:

Bei all den alten Mauern und Geschichten merkt man dennoch, dass der Ort keineswegs ausgestorben ist. Je nach Uhrzeit trifft man auf spielende Kinder oder Bewohner, die zum kleinen Schwätzchen zusammenstehen.

Wir drei Bloggerinnen, Laura, Isabelle und ich gehören zu den 268 Bewohnern, allerdings liegen unsere Häuser alle etwas außerhalb, denn Poggio Cupro hat sich im Laufe der Jahre ausgedehnt.

Laura ist hier geboren und aufgewachsen, aber als Kind war sie immer neidisch auf ihre Freunde, die im „großen“ Nachbarort Cupramontana leben konnten. Isabelle und ihr Mann haben sich hier vor über 20 Jahren niedergelassen und ihr charmantes B&B eröffnet. Mein Mann und ich haben vor 10 Jahren ein zusammengefallenes, altes „Rustico“ gekauft, das schon 1885 in alten Karten verzeichnet war und das wir nach und nach restauriert haben und nun selber nutzen.




Wer nach einem Besuch des Ortes hungrig oder durstig geworden ist, für den ist die kleine Bar/Osteria gleich ausserhalb des historischen Zentrums der richtige Anlaufpunkt.

Und wen es zufällig an einem ersten Samstag im September in die Gegend verschlägt, dem sei das mittelalterliche Abendessen emfpohlen, das von den Einwohnern liebevoll auf der Piazza angerichtet wird. Denn dann kehrt Poggio Cupro zurück ins Mittelalter, mit Gerichten aus der Zeit, mit Handwerk und mittelalterlicher Unterhaltung (Falkner, Feuerschlucker, Bauchtänzer, ..). Die Einwohner leihen sich Kostüme aus umliegenden Theatern oder schneidern selber und kleiden sich dem Anlaß entsprechend, während die Gäste so kommen können, wie sie möchten, um sich verwöhnen zu lassen.

Ci vediamo a Poggio !


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