Ecco Le Marche

Enothek mit Restaurant und Köhler-Museum

Kürzlich hatten wir Euch von unserer Restaurant-Neuentdeckung, der Gastroneria im kleinen Borgo Frontale di Apiro, berichtet. Wir hatten angedeutet, dass sich das Restaurant in einem Gebäude mit einem Köhler-Museum befindet.

Tatsächlich gab es zuerst das Köhler-Museum, das von der Gemeinde Apiro betrieben wird. Das Grafikbüro „Nostalgia Campagna“ von Giordano Albanesi und Michele Piersanti war federführend für die Gestaltung des Museums, das im Juni 2025 eröffnete. Danach richteten die beiden in den Räumen oberhalb des Museums die Gastroneria, also die Enothek mit angeschlossenem Restaurant, ein.

Nach dem Essen ins Köhler-Museum „Musi Tinti“

Das Köhler-Museum (Museo del Carbonaro) sollte laut seiner Facebook-Seite erst um 17 Uhr öffnen. Aber da es der Enothek angeschlossen war, kann man es scheinbar auch immer dann besichtigen, wenn die Enothek geöffnet ist (Samstags und Sonntags zum Beispiel ganztägig).

Der Name des Museums, Musi Tinti, ist umgangssprachlich und bedeutet etwa geschwärzte Gesichter und ist dem Umstand geschuldet, dass die Köhler damals bei der Arbeit vom Kohlestaub gefärbte Gesichter hatten (ähnlich wie die Kumpels im Ruhrgebiet).

Über eine Treppe gelangten wir von der Enothek her hinunter in die 2 Museumsräume, die in den alten, restaurierten Kellergewölben untergebracht waren. Neben vielen alten Fotos der Köhler aus Frontale und vielen typischen Gegenständen, die ein Köhler für seine Arbeit brauchte, gab es auch einen Kohlemeiler, den sie im Verhältnis 1:3 nachgebaut hatten, um dessen Aufbau von innen nach außen zu demonstrieren. Die beiden erklärenden Schautafeln gab es sogar mit englischer Übersetzung.

Holzkohle-Herstellung in Frontale

Natürliche Holzkohle wird schon seit Urzeiten von Menschen als Energiequelle genutzt. Spätestens seit der Kupfer- und Bronzezeit wird sie auch künstlich hergestellt und gilt als ein Meilenstein der menschlichen Zivilisation. Sie war DIE Energiequelle für Metallverarbeitung und Glasherstellung, wurde aber auch im Alltag für Kochen und Heizen genutzt. Es gab einen riesigen Bedarf daran, wofür leider oft ganze Wälder gerodet und verbrannt wurden.

In Italien gab es die Köhler überall dort, wo große Wälder waren, zum Beispiel in der gesamten Apennin-Region. So auch in den Marken und in und um den Monte San Vicino. Dort war die Blütezeit der Holzkohleproduktion vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre.

Oft wurde die Köhlerei mit Schafzucht oder anderer Landwirtschaft kombiniert und war eine sehr harte, entbehrungsreiche Tätigkeit: Ungefähr das 5-fache Gewicht an Holz wurde benötigt, um eine entsprechende Menge Holzkohle zu erhalten. Der Meiler, der sich mitten im Wald befand, musste 5 bis 6 Tage lang rund um die Uhr bewacht werden. Es gab nur wenige Hilfsmittel, aber ein Maultier war für den Transport von Holz und Kohle unerlässlich. Es war aber eben auch ein wirtschaftlicher Faktor für die ganze Region.

Der Aufbau der bis zu 2 Meter hohen und 6 Meter breiten Meiler („Cotta“ genannt) war kompliziert: Es ging darum, das Holz über einen längeren Zeitraum und unter hohen Temperaturen zu erhitzen. Damit das Holz nicht komplett zu Asche verbrannte, sondern Holzkohle entstand, musste dies unter weitgehendem Sauerstoffentzug geschehen. Der Meiler wurde dafür mit Lehm und Laub isoliert und nur durch eine kleine Öffnung, einem Kamin, in der Mitte be- bzw. entlüftet.

Musi Tinti – Erinnerungen im Film festgehalten

Giordano Albanese, einer der beiden Besitzer des Lokals, startete für uns unten im Museum einen kleinen Film über die Köhlertradition in Frontale. Darin berichteten Zeitzeugen über das harte Leben der Köhler und alte Fotos zeigten die Gegend und die Köhler bei der Arbeit.

Eigentlich hatten sie den Film auch auf Englisch vorbereitet, aber irgendwas funktionierte nicht mit der Technik. So gab es ihn auf Italienisch. Da habe ich leider nicht alles verstanden, aber was ich ganz interessant fand:

Die Köhler von Frontale lieferten ihre Kohle bis nach Monsano, Jesi und nach Cupramontana. Nach Jesi und Monsano waren es gut 30-35 Kilometer! Wenn sie dann ihre Bezahlung erhielten, kam es nicht selten vor, dass sie diese direkt vertrunken haben. Unter anderem in der Trattoria da Fiorina unten bei uns im Tal, die dem Weingut Sparapani angeschlossen ist und die immer noch sehr beliebt ist.

Nützliche Informationen

Enothek, Restaurant und Museum gibt es seit circa 1 Jahr. Die Öffnungszeiten für das Museum sind im Prinzip die gleichen, wie die der Enothek: Zur Zeit haben sie freitags abends, sowie samstags und sonntags durchgehend von mittags bis abends geöffnet. Ich habe aber vor ein paar Tagen gesehen, dass sie nun auch mittwochs und donnerstags sowohl mittags als auch abends geöffnet haben.

Daher am besten vorher über die Webseite, die es auch auf Englisch gibt, informieren und ggf. reservieren: La Gastroneria. Dort könnt Ihr auch die aktuelle Speisekarte einsehen und die WhatsApp- bzw. Telefonnummer für die Reservierung finden. Natürlich kann man auch nur das Museum besichtigen, ohne etwas zu konsumieren.

Übrigens: Der Sentiero 175 von Frontale nach Pian del Elmo soll einer der traditionellen Wege der Köhler von Frontale gewesen sein. Diese stiegen den sehr steilen, schweren Weg hinauf in die dortigen Eichen- und Buchenwälder, um sich dort ihr Holz zu holen. Runde Lichtungen im Wald sollen auf frühere Standorte der Meiler hinweisen.

Was meint Ihr – ist es einen Ausflug wert?


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