Ecco Le Marche

Fast jede italienische Gemeinde hat mindestens eine Apotheke. Aber nicht überall findet man eine so schöne antike wie im Zentrum von Fabriano: die Antica Farmacia Mazzolini-Giuseppucci, auch Museo della Farmacia (Apothekenmuseum) oder 1896- Scienza e Natura (Wissenschaft und Natur) genannt.

Besichtigung mit Führung während der FAI-Tage (Tage des offenen Denkmals).

Isabelle und ich erfuhren, dass das Museum während der FAI-Tage 2025 (Tage des offenen Denkmals) für die Öffentlichkeit zugänglich sein würde. Eine einmalige Gelegenheit, dort eine Führung zu bekommen! Da die Apotheke auf einen einzigen Raum beschränkt war, wurde pro Führung nur eine sehr begrenzte Anzahl von Besuchern zugelassen. Während wir auf unseren Eintritt warteten, konnten wir aber draußen schon in aller Ruhe den Eingang bewundern: Wir konnten die Hand des Meisters Adolfo Ricci in den Holzschnitzereien erkennen. Die dargestellten Szenen bezogen sich allesamt auf die wissenschaftliche Herstellung der Arzneimittel.

Geschichte der Apotheke von Fabriano: Mazzolini und Ricci.

Im Jahr 1896 baute Ermenogaste Mazzolini (1849-1899) den Gewürzladen, den er von seinem Vater geerbt hatte, zu einer Apotheke um. Ermenogastes Jugend war geprägt von der Zeit der Revolution und der Vereinigung Italiens, während Ende des 19. Jahrhunderts die technologische Entwicklung mit verschiedenen Erfindungen wie Strom, Radium usw. schnell die gesamte Gesellschaft veränderte.
Auch die Medizin entwickelte sich von einer auf Kräutern und Pflanzen basierenden Heilkunst zu verschreibungspflichtigen Medikamenten mit einem wissenschaftlicheren Hintergrund.

Abbildung Ermenogaste Mazzolini

Mazzolini verstand dies und wollte mit seiner Apotheke einen Tribut an die Wissenschaft zollen. Er war nämlich Mitglied der Freimaurer.
Zu diesem Zweck stellte er Adolfo Ricci ein, einen erfahrenen und kunstfertigen Holzschnitzer aus Perugia. Beide Herren teilten die gleichen Ansichten über Italien, die Wissenschaft und die moderne Welt. Das war in einer Region, die jahrhundertelang von Päpsten und der katholischen Kirche regiert wurde, nicht immer selbstverständlich.
Am Ende sollte es Riccis Meisterwerk werden: Die gesamte Decke, die Wände, die Möbel und die Theke aus Ahorn und Ebenholz zeugen von seinem großen Talent.

Die Holzdecke der Antica Farmacia.

Adolfo Ricci war überdies mit dem Wissenschaftler Giuseppe Bellucci befreundet, der ihm wahrscheinlich die bedeutenden Wissenschaftler, Ärzte und Apotheker vorschlug, die überall in den Holzschnitzereien der Apotheke dargestellt sind. An der Decke erhielten zum Beispiel nationale und internationale Apotheker, Ärzte und Chemiker einen Ehrenplatz.

Wir betreten das Innere der antiken Apotheke:

Nach einer Weile wurde unsere Geduld belohnt: Man ließ nun unsere Gruppe eintreten. Wir betraten den Raum, der einerseits einen Liberty-Stil ausstrahlte, andererseits war aber auch die Neugotik deutlich zu erkennen! Äußerst selten für historische Apotheken. Hier verband man die nützliche Einrichtung wie Theke und Vitrinen für die Medikamentengläser mit Kunst als Hommage an die Wissenschaft. Man vermutet, so sagten sie, auch einen Bezug zu den Tempeln der Freimaurerei: Die Theke könnte den Altar symbolisiert haben und mit den 6 Hockern die Zahl 7 ergeben, das Zeichen göttlicher Schöpfung.


Oben, rund um den gesamten Raum angeordnet, sahen wir Engelchen oder Putten mit Szenen, die auf wichtige Erfindungen hinwiesen, sowie Büsten der Wissenschaftler:

Die ausgestellten Gefäße, in denen ursprünglich Kräuter und Medikamente aufbewahrt wurden, waren sehr wertvoll; darunter die ca. 90 Porzellangefäße von Ginori a Doccia (toskanischer Porzellanhersteller seit dem 18. Jahrhundert). Ebenso wie die rund 400 Glasflaschen und -gefäße. Eine ungewöhnlich vollständige und intakte Sammlung!

Auf der Theke sahen wir die Waage, ein sehr wichtiges Instrument, um die Zutaten genau abzuwiegen. In dieser Apotheke wurden seit 1892 sogar die ersten geeichten Gewichte und Waagen verwendet.

Nichts entging einer schönen Verzierung, wie Griffe, Beleuchtung und die Statuen am Eingang eindrucksvoll belegen.

Von der Apotheke zum Museum:

Letztendlich weiß man nicht, ob der Auftraggeber Mazzini die Apotheke noch in ihrer ganzen Pracht erleben konnte, denn er verstarb im frühen Alter von 50 Jahren. Die Apotheke blieb bis 1932 im Besitz der Familie Mazzini, bis der letzte Erbe starb. Nach mehreren Besitzerwechseln durfte sich Gino Giuseppucci als neuer Eigentümer bezeichnen. 1982 stellten die Giuseppuccis den Betrieb ein und gaben die Apotheke zur Nutzung frei, blieben aber Eigentümer. 1983 erkannte das italienische Ministerium für Kulturerbe die Apotheke als geschütztes historisches Kulturgut an. Danach diente sie noch einige Jahre als Erboristeria (Drogerie), bevor sie endgültig geschlossen wurde. Nach ihrer Restaurierung wurde sie 2010 in ein Museum umgewandelt.

So schade, dass wir nicht länger bleiben konnten, denn es gab so viel zu sehen. Aber die nächste Gruppe wartete bereits darauf, diese wunderschöne Apotheke zu besichtigen.

Besichtigungen über das Fremdenverkehrsamt von Fabriano:

Von außen kann man die Schönheit der Apotheke nur erahnen. Wenn Ihr sie auch einmal von innen sehen möchtet, meldet Euch beim Fremdenverkehrsamt von Fabriano. Es befindet sich mitten im Zentrum, direkt an der Seite des Palazzo del Podesta.

Fremdenverkehrsamt Fabriano

Oder Ihr fahrt nach Cerreto d’Esi, dort gibt es ebenfalls eine historische Apotheke, zwar in einer einfacheren Ausführung, aber dennoch sehenswert. Die Öffnungszeiten findet Ihr in unserem Artikel.

Historische Apotheke in Cerreto D’Esi







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