Ecco Le Marche

Zum Einstieg in den Frühling eine kleine Wanderung (8,5 km und circa 250 Höhenmeter), die uns einige schöne Aussichten auf die umliegenden Hügel und Weinberge gewährt. Zudem kommen wir am dramatischen Hang der Ribba del Rotorscio vorbei. Unterwegs treffen wir auch auf einige „alte Bekannte“, wie die Abbazia von Sant’Urbano, den Trüffelexperten bei Rotorscio 37 und das farbenfrohe Kirchlein San Paterniano in Domo.

Ausgangspunkt: Sant’Urbano.

Zusammen mit einer Freundin fuhr ich zu unserem Ausgangspunkt, dem weitläufigen Parkplatz an der Abbazia Sant’Urbano. Wer die geheimnisvolle Kirche aus dem 11. Jahrhundert noch nicht besichtigt hat, kann dies gut vor der Wanderung oder am Ende tun.

Wir spazieren zunächst etwa 700 Meter entlang der Straße Provinciale 117 in Richtung Norden. Wir hatten mehr Verkehr erwartet, aber es kam nur eine Handvoll Autos an uns vorbei. Unterwegs am Straßenrand ein Heiligenhäuschen, welches die Bewohner des benachbarten Ortsteils Castellaro gestiftet haben. „Sosta, pensa, prega“ steht dort: Halte inne, denke nach und bete. Von hier kann man auch schon einen Blick auf die Ribba werfen, die sehr dramatisch über dem Tal thront.

Ein kurzes Stück weiter gehen links zwei unbefestigte Straßen aus hellem, festgestampftem Kies ab. Wir nehmen die 2. und schon geht es bergauf, dem Karst-Abbruch entgegen. Hinter einem Solarfeld genießen wir die Ausblicke auf Weinberge und Hügel. In der Ferne erspähen wir den Monte San Vicino mit seiner charakteristischen Form und sehen den Steinbruch am Rande des Parco della Gola Rossa – die Aussicht ist einfach großartig!

Der Ribba-Abhang von Rotorscio.

Zum Glück gibt es einige schattige Passagen, denn es geht ganz schön bergauf. Schließlich sind wir direkt unterhalb der Ribba, der natürlichen Verwerfung.

Zu ihrer Entstehung gibt es eine Legende:

Ein Mann namens Christoforo kehrte mit seinem Esel von der Rotorscio-Burg nach Hause zurück. Unterwegs traf er auf einen Fremden, der ihn bat, ihm doch mit seinem Esel zu helfen, seine schweren Säcke ein Stück weit zu transportieren. Er selber würde einen anderen Weg einschlagen und ihn an der nächsten Weggabelung wieder treffen.

Doch der Fremde tauchte nicht am Treffpunkt auf und so nahm Cristoforo die Säcke erstmal mit nach Hause. Sie waren vollbepackt mit Gold- und Silbermünzen! Cristoforo wartete etliche Jahre auf die Rückkehr des merkwürdigen Mannes; aber als der nicht mehr erschien, nutzte er den reichen Schatz, um sich einen Bauernhof mit Land in der Gegend zu kaufen.

Genau fünfzig Jahre nach der Begegnung klopfte der Fremde an die Tür des unseligen Cristoforo und verlangte die Herausgabe der Säcke. Der wiederum erklärte, dass er die Münzen nicht mehr habe, weil er sich damit den Hof gekauft habe. Der Fremde wurde wütend, verwandelte sich in einen furchterregenden Dämon, schrie „Tattabao“ und ließ Cristoforos Hof und Land einstürzen. Das war exakt an der Stelle, wo man heute noch die karge Abbruchkante sehen kann.

Noch ein kurzes Stück und wir haben die höchste Stelle unserer Wanderung erreicht, von hier geht es fast nur noch flach oder hinab. Wir kommen an der Adresse „Rotorscio 37“ vorbei. Das Gelände hier gehört dem Trüffelexperten Antonio, den Isabelle und ich schon einmal besucht haben. Er berät Leute, die Trüffel anbauen wollen, verkauft „trüffelgeimpfte“ junge Bäume, trainiert Trüffelhunde und bietet Führungen und Verkostungen an.

Rotorscio37, der Hof des Trüffelexperten

Optional: Abstecher zur Rotorscio-Ruine.

An der darauffolgenden Weggabelung gehen wir links wieder hinunter ins Tal. Nach rechts geht es zur Rotorscio-Burg, die der Gegend ihren Namen gab. Wer noch nicht genug bergauf gegangen ist, kann nun nach rechts gehen und einen Abstecher dorthin machen. Aber es gibt nicht so viel zu sehen: Die Burg, die irgendwann zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert erbaut wurde, ist heute verlassen und eine Ruine: Sie liegt auf 547 Metern und überblickte seinerzeit strategisch das darunterliegende Tal Valle di San Clemente. Im 14. Jahrhundert herrschte dort die mächtige Familie der Rovelloni. Aber von den reichen Getreidespeichern und dem damals weitläufigen Burggelände ist nur noch das Herrenhaus übrig. Im 19. Jahrhundert, nach der napoleonischen Besetzung, hatte die Burg an Bedeutung verloren. In der Folge trugen die Bewohner des benachbarten Castellaro die Gebäude und Mauern ab, um mit den Steinen ihren Ort auszubauen. Noch heute, so heißt es, kann man daher in Castellaro Reliefs oder Adelswappen der Burg an den Häusern im Ort sehen.

Rotorscio-Burgruine bei Castellaro

Domo mit der San Paterniano Kirche.

Wir haben die Burg aber links, pardon, rechts liegen lassen und befinden uns schon auf dem Weg Richtung Tal. Kurz vor Domo haben wir nur noch einen klitzekleinen Anstieg vor uns und erreichen dann, nach Caffè dürstend, den Ortskern. Es gibt keine reguläre Bar im Ort, aber im Circolo Cittadino, der von einem lokalen Verein geführt wird, bedient man uns freundlich.

Unbedingt zu empfehlen ist ein Besuch der kleinen Kirche San Paterniano hier im Ort. Wir berichteten schon vor einiger Zeit darüber.

Noch im Eindruck der Fresken und Farben von San Paterniano begeben wir uns auf unsere letzte Etappe für heute. Es geht nur noch bergab, vorbei an der Fattoria Vito Celeste, die für ihren lokalen Käse bekannt ist und auch einen kleinen Hofladen betreibt.

Ein kleiner Schreck für Elke: Auf dem Gelände laufen 3-4 große, zottelige Maremmano-Hunde herum und das Tor steht offen. Uns ist vor ein paar Jahren einmal einer dieser Schutzhunde einen ganzen Kilometer hinterhergelaufen, als wir mit dem Auto an einer Schafherde vorbeikamen. Mit denen ist nicht zu spaßen! Zum Glück kam dieses Mal kurz darauf ein Mitarbeiter aus den Ställen und wies die Hunde an, uns in Ruhe zu lassen, sodass wir passieren konnten.

Maremmano-Schutzhund

Und dann haben wir es geschafft – die Abbazia di Sant’Urbano taucht vor uns auf. Es ist inzwischen Mittag geworden und so fahren wir auf dem Rückweg bei der Trattoria Fiorina (beim Weingut Sparapani) vorbei, um uns günstig verwöhnen zu lassen.

Praktische Info:

Von unserem Google-Drive könnt Ihr Euch den Track unserer Wanderung herunterladen: Link zu GPX-Track. In Komoot findet Ihr die Wanderung ebenfalls, nebst dem Höhenprofil und einigen Fotos:

Wer bei Rotorscio37 eine Trüffelführung mitmachen möchte, kann sich hier bei Antonio anmelden: Truffleexperience.


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