Seid Ihr schon einmal die alten Natursteinwände im historischen Zentrum eines mittelalterlichen Dörfchens hochgeklettert? Ich auch noch nicht, meine Kletterkünste beschränken sich eher auf die kleine Küchenleiter bei uns im Haus. Aber das Frasassi-Climber-Festival fand ich sehr schön:
Nächste Woche, vom 27. bis 30. August 2026, findet es wieder in Serra San Quirico und im Parco Gola della Rossa statt. Ich war letztes Jahr dort und war sehr angetan von der Atmosphäre, die dort herrschte: irgendwas zwischen Entspannung und Konzentration, dabei bunt und freundlich.
Serra San Quirico, wo sich das Zentrum der Aktivitäten befindet, ist ein kleiner, charmanter Borgo am Rande des Regionalparks Parco Gola della Rossa. Während des Festivals ist die Zufahrt zum Ort beschränkt. Um hinaufzukommen, parkten wir daher im Tal und ließen uns vom kostenlosen Shuttleservice hochfahren.


Das Climber-Village – hier läuft alles zusammen
Oben angekommen, schauten wir uns zunächst im „Climber Village“ um, das sie auf dem Sportplatz direkt neben dem Ort errichtet hatten. Hier konnte man sich für die Aktivitäten anmelden, an den Verkaufsständen mit Sportbekleidung eindecken, etwas essen oder auf der Slackline üben. Außerdem fanden hier auch die Abendveranstaltungen statt, von Workshops über Interviews mit Experten bis zu Livemusik und DJ-Sets.






Wissenswertes über das Frasassi-Climber-Festival.
Die Veranstaltung gibt es schon seit 2015. Sie ist laut Veranstalter das größte Boulder-Event in Europa und entsprechend kommen die Teilnehmer aus ganz Europa, aber auch aus Australien, Hongkong und den USA. Allein 1350 Teilnehmer sollen es letztes Jahr gewesen sein!
Es gibt sehr verschiedene Wettbewerbe und Veranstaltungen an verschiedenen Orten, die den Teilnehmer:innen für eine einmalige Einschreibgbühr von 25 EUR zur Verfügung stehen:
- So gibt es dieses Jahr am Donnerstagabend eine Veranstaltung im – noch kleineren – Bergdorf Castelletta mit Yoga, Abendessen und Konzert.
- Im gesamten Gola-Rossa-Park sind Kletterstellen an den beeindruckendsten Felsformationen ausgeschildert, bei denen man sich in der „Frasassi Challenge“ aneinander messen kann.
- Für den größten Wettbewerb, die „Boulder Challenge„, finden sich überall im historischen Ortskern Serra San Quirico Boulder-Strecken an den Bruchsteinhäusern.
- Auch für Jugendliche und Kinder gibt es Kletterwettbewerbe – nach Altersklassen gestaffelt – an künstlichen Kletterfelsen im Village.
- Es werden Yoga, Mountain-Yoga und Acro-Yoga angeboten, meist in sehr schöner landschaftlicher Umgebung.
- Die Slacklines können von jeder und jedem genutzt werden, es gibt aber auch Anleitung und Hilfe vom Slackline-Team aus Bologna.
- Der MTB-Club aus Jesi bietet Mountainbike-Ausfahrten durch den Nationalpark, die für alle eingeschriebenen Teilnehmer offen sind.
- Die Guides des Gola-Rossa-Nationalparks haben verschiedene geführte Wanderungen vorbereitet (kosten 7 EUR extra).
- Allen Teilnehmern steht kostenlose Physiotherapie zur Verfügung und es gibt Anleitungen zu Shiatsu-Massagen.
- Abends gibt es einige Vorträge und Diskussionen rund ums Thema Klettern und Bouldern.
- Zum Ausklang des Tages gibt es für alle Party mit Live-Music und DJ-Sets.
Für Übernachtungen ist auch gesorgt: Es gibt alleine 10 Areale, wo kostenlos gezeltet werden kann. Einige sind fußläufig zum Ortskern gelegen, andere sehr idyllisch in der weiteren Umgebung. Zu den weiter gelegenen verkehren kostenlose Shuttle-Busse. Wer es bequemer haben möchte, findet eine Liste von B&Bs und Hostels auf der Seite der Veranstalter.
Gegessen werden kann im traditionellen Restaurant „Le Copertelle“ vor Ort oder an Ständen im „Village“. Dieses Jahr wird einer davon vom veganen Restaurant „La Becerca“ betrieben, das wir schon besucht und für sehr gut befunden haben.
Bouldern an alten Gemäuern in Serra San Quirico.
Neugierig sind wir in den kleinen Ort geschlendert. Überall an Mauern und Gebäuden sahen wir Leute klettern, teils fröhlich unterstützt von ihren Freunden.





Unter den Fassaden hatten die Leute dicke Matten gelegt, damit sie sich beim Herunterfallen nicht wehtun. Die Matten hatten sie mitgebracht, sie konnten aber für 20-25 EUR vor Ort geliehen werden. Wenn sie von einer Kletterstelle zur nächsten wanderten, schulterten sie die Matten, die fast größer als sie selber waren. Wegen der engen Gassen waren die Ersthelfer im Ort mit kleinen Quads unterwegs.




Die jeweiligen Kletterrouten waren farbig gekennzeichnet, je nach Schwierigkeitsgrad. Geklettert wurde entlang der Hauswände, wobei Anfangs- und Endpunkt jeweils markiert waren. Mit einer App dokumentierten die Teilnehmer:innen ihre Fortschritte; nur bei der höchsten Kategorie mussten sie zusätzlich ein Video einschicken.
Obwohl es ein Wettbewerb mit Preisen war, waren die Leute alle super-relaxed und fokussiert. An der Wand eines größeren Gebäudes stand ein kleines Hinweisschild: Es handle sich hier um ein Altersheim und die Teilnehmer:innen würden gebeten, leise zu sein. Auch das schien gut zu funktionieren.
Ruhige Orte abseits des Festivals
Wir nutzten die Gelegenheit, um auch noch einmal kurz in die malerische Barockkirche Santa Lucia zu schauen.


Danach schlenderten wir durch die kleinen, verwinkelten Gassen, wobei wir manchmal eine kleine Kletterergruppe in Aktion antrafen und manchmal auch niemanden, trotz der vielen Leute, die an dem Tag den Ort bevölkerten.








Auf dem kleinen Platz in der Dorfmitte gönnten wir uns noch ein Bier in der lokalen Bar, dann begaben wir uns wieder Richtung Ortsrand, um den Shuttle nach unten zu nehmen. Der kam auch prompt, fuhr aber noch einige andere Stellen an. Und so konnten wir auch noch einen Blick auf einen der malerisch gelegenen Zeltplätze erhaschen, die sie für dieses Event ausgewiesen hatten.

Die Frasassi-Challenge: Klettern in den Felsen des Gola-della-Rossa-Naturparks.
Bevor wir zurückfuhren, stoppten wir noch bei der Gola-della-Rossa-Schlucht, um die Frasassi-Climber zu beobachten. Wir parkten am Anfang der Schlucht, und gingen zu Fuß ein Stück hinein. Dort mussten wir ganz schön hoch in die Felsen blicken, um die Klettersportler zu sehen. Sehr beeindruckend! Allerdings war dies nur einer von 7 verschiedenen Felsen, die von den Veranstaltern dokumentiert und während des ganzen Jahres gepflegt werden. Sie haben so phantasievolle Namen, wie Sulfuria, Cagliostro, L’Altro Mondo, Castelletta, Val Giubola, Falcioni und Peter Pan.




Ein schöner Tag, auch wenn wir nur zugeguckt haben!
Nützliche Informationen:
Die Online-Anmeldung ist für dieses Jahr (2026) bereits geschlossen, aber man kann sich noch vor Ort registrieren: von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr abends.
Als Besucher und Zuschauer konnten wir natürlich ohne Anmeldung in den Ort.
Die Webseite ist sehr gut und informativ gehalten und für die nicht-italienischen Teilnehmer auch auf Englisch: Webseite Frasassi Climber Festival.


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