Dieses Mal etwas für unsere Leser:innen, die gerne Fleisch essen. Heutzutage gibt es in der Region Marken reichlich Fleischgerichte und große Portionen davon, sei es in Restaurants oder auf Festen. An einem der letzten Juli-Wochenenden im Juli zelebrieren sie zum Beispiel im Dörflein Poggio San Marcello die Grande Bisteccata: das große Grillfest.
Dem muss man ordentlich Respekt zollen, denn der Ort zählt gerade einmal 500 Einwohner, stellt aber dieses Jahr schon zum 14. Mal ein großes Grillfest auf die Beine, bei dem es neben dem kulinarischen Genuss auch jeden Abend Musik von der eigens aufgebauten Bühne gibt.
Als erklärte Liebhaberin aller Arten von Dorffesten musste ich natürlich mit meinem Mann einmal hin, um das zu erleben. Doch zunächst ein kleiner Überblick über den Ort, der eine beachtlich lange Geschichte aufweist:
Poggio San Marcello – ein sehr alter Ort.
Poggio San Marcello gehört seit 1301 zu den Castelli di Jesi. Aber erste Siedlungen muss es bereits seit 500 Jahren vor Christus gegeben haben, wie das Grab eines picenischen Kriegers und andere archäologische Fundstücke beweisen. Und es blieb auch während der römischen Zeit und unter den ersten Christen besiedelt. Das bezeugen frühchristliche Mosaiksteine, die in den 1950er Jahren zufällig innerhalb der alten Stadtmauern gefunden wurden. Die Burg selber ist aus dem 13. Jahrhundert, als der Bischof von Jesi hier Gericht hielt. 1926 wurde die Gemeinde an Castelplanio angeschlossen, ist aber seit 1947 wieder eine eigenständige Gemeinde.
Hier einige Tageslicht-Fotos aus Wikimedia Commons:


Genug Vorgeplänkel – wir haben Hunger!
Das Grillfest findet unmittelbar außerhalb der Stadtmauer statt, auf der Piazza Giacomo Leopardi. Etliche Bierbänke und -tische stehen bereit, mit Blick auf ein Stück der mittelalterlichen Stadtmauer samt Porta del Soccorso.
Das Menü ist ganz auf Fleisch ausgelegt; es gibt unter andererem
- Tagliata: Rindersteak, das nach dem Grillen aufgeschnitten und auf Rucola und Tomaten angerichtet ist.
- Grigliata Mista: Mixed-Grill-Platte, u.a. mit Kotelett, Fenchelwürstchen und Fegatelli (kleine Leberstückchen, in Speck und Lorbeer gewickelt).
- Für die Unerschrockenen eine Fiorentina: ein großes Steak am T-Bone-Knochen mit Anteilen vom Roastbeef und Filet, meist zwischen 1,2 und 2 kg schwer.
- Für Vegetarier/Veganer gibt es allerdings wirklich nur gegrilltes Gemüse, welches zugegeben lecker ist.
Es ist ohnehin ein sehr heißer Abend, doch die armen Grillmeister geben ihr Bestes:




Hier eine kurze Videosequenz der Grillmeister in Aktion:
Gegrilltes ist in den Marken sehr beliebt und es wird in der Regel pur serviert – etwas gewürzt, aber ohne große Saucen- oder Salat-Beilagen: Das würde nur vom Eigentlichen ablenken. Dafür finde ich die Fleischqualität oft besser als zum Beispiel in Deutschland.
Wir nehmen eine Grigliata Mista mit verschiedenem Fleisch und eine Tagliata. Um nicht mit dem üblichen, stumpfen Einweggeschirr im guten Fleisch herumsäbeln zu müssen, haben wir unser eigenes Besteck von zu Hause mitgebracht. Die Frau an der Essensausgabe ist darob fast beleidigt, denn – Überraschung! – Sie reichen richtige Steakmesser dazu.





Wir sind pappsatt und wie so oft, haben wir die Tupperdosen vergessen. Denn so viel Fleisch essen wir normalerweise gar nicht mehr. Und so nehmen wir einiges davon, zwischen zwei Pappteller gelegt, mit nach Hause.
Kleine Ortserkundung von Poggio San Marcello.
Die Band soll erst später am Abend spielen. Daher beschließen wir, zunächst einen Rundgang durch den Ort zu machen. Der wird sehr kurz, denn man kann zwar außen entlang der gut erhaltenen, mittelalterlichen Mauern auf der Via Sobborgo um den Ort herumgehen. Aber innen gibt es nur wenige Sträßchen. Die Via Tarcisio Tassi ist die Hauptstrasse, die die beiden Stadttore miteinander verbindet. Und die ist fast menschenleer, denn alle 500 Einwohner scheinen auf der Festa zu sein.



Am anderen Ende der Via Tarcisio Tassi kommen wir zum ältesten Stadttor, der Porta San Nicola. Über der thront die Torre Civica, der Stadtturm mit Uhr: ein kleines mechanisches Meisterwerk des Turmuhrenbauers Pietro Mei aus Montecarotto – wir berichteten schon darüber. Es ist die Nummer 20 seiner Werke aus dem Jahre 1848.


Zurück zur Piazza Leopardi gönnen wir uns noch ein bisschen Musik einer Ligabue-Coverband, bevor wir nach Hause fahren und den noch sehr gut gefüllten Festplatz verlassen.



Praktische Informationen:
In 2026 findet die Grande Bisteccata am Wochenende vom 23. bis 26. Juli statt. Das Fest ist nur abends. Dazu gibt es nach dem Essen Livemusik verschiedener Bands – meist erst spät am Abend.
Auf der Speisekarte stehen dieses Jahr neben der berühmten Fiorentina auch Lammspiesschen, Schweinerippchen, Hamburger und anderes.
Wer sich generell für das Fest interessiert, kann die Ankündigungen über die Facebookseite des ProLoco-Vereins einsehen.
Buon divertimento! Viel Vergnügen!


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