Ecco Le Marche

Nachdem wir vormittags die verborgenen Räume der Kathedrale von Fabriano besucht hatten (siehe unseren vorigen Artikel), kehrten wir nach der Mittagspause noch einmal zurück, um den Rest des Inneren zu besichtigen.

Geschichte der Kathedrale.

Wahrscheinlich stand in Fabriano auf dieser Piazza Giovanni Paolo II. bereits im 11. Jahrhundert ein kirchliches Gebäude. Der erste schriftliche Nachweis stammt jedoch erst aus dem Jahr 1160. Die Kathedrale war offenbar von Anfang an dem Heiligen Venanzio geweiht: einem Adligen aus dem 3. Jahrhundert n. Chr., der aus Camerino stammte, und den Märtyrertod durch Enthauptung starb. Da das Bistum Camerino damals die Herrschaft über Fabriano ausübte, ist ein Heiliger von dort nicht allzu überraschend.

Wie die meisten Kirchen in Mittelitalien erfuhr auch diese Kathedrale verschiedene Umbauten:

Erste Umbauten und ein spektakulärer Mord:

Im 14. Jahrhundert entstanden die Apsis und die danebenliegenden Kapellen, die dem Heiligen Laurentius und dem Heiligen Johannes dem Evangelisten geweiht waren. Der Maler Allegretto Nuzi oder di Nuzio erhielt den bedeutenden Auftrag, die Kapellen mit Fresken auszustatten.

Die Martyrien des Heiligen Laurentius

50 Jahre später entstanden die Fresken des Heiligen Kreuzes aus der Hand des umbrischen Malers Giovanni di Corraduccio.

Der Chor mit seinen kunstvoll gearbeiteten Stühlen und den dazugehörigen Räumen wurde im 15. Jahrhundert errichtet. Im Chor ereignete sich übrigens 1435 während der Himmelfahrtsmesse der spektakuläre Mord an den männlichen Mitgliedern der Familie Chiavelli, der damals mächtigsten Adelsfamilie in Fabriano.

Weitere Umbauten – San Venanzio wird beträchtlich erweitert:

Das heutige Erscheinungsbild der Kathedrale entstand erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts: Ältere Teile wurden abgerissen, mit Ausnahme der Apsis, des Chors und der dazugehörigen Kapellen. Nun wurde ein Mittelschiff mit jeweils sechs Kapellen auf jeder Seite errichtet.

Wir betreten die Kathedrale.

Das Äußere ließ dies nicht vermuten, aber beim Eintritt verstanden wir sofort, dass es sich um eine bedeutende Kirche handeln musste. Wohin wir auch schauten: reichhaltige Verzierungen und in fast jeder Kapelle ein bedeutendes Kunstwerk! Oben in den Kapellen prangten die Familienwappen oder die Symbole der Zünfte, die die Kapellen gestiftet hatten.

Am Eingang fanden wir einen schönen Plan aller Kapellen, an dem wir uns orientieren konnten. Wir begannen auf der linken Seite:

Kapelle 1: San Girolamo.

Hier malte der Maler Lazzaro Baldi aus dem 17. Jahrhundert den Heiligen Girolamo zusammen mit der Heiligen Maria, die Martyrien der Heiligen Agatha und den Besuch Marias bei Elisabeth.

Kapelle 2: San Carlo Borromeo.

Es wird vermutet, dass der Urheber des Gemäldes, das den betenden San Carlo zeigt, Orazio Gentileschi aus dem 17. Jahrhundert war. Doch sicher ist dies nicht. Er zog mehrmals um, unter anderem nach Paris und London, wo er schließlich starb.

Kapelle 3: Santa Barbara.

Die Weberzunft finanzierte diese Kapelle. Deshalb wählten sie mit der Heiligen Barbara die Schutzpatronin verschiedener Handwerksberufe aus. Sie ist überdies aber überdies auch Schutzheilige der Bergleute und Feuerwehrleute.

Das Gemälde über dem Altar trägt den Titel „Die Madonna mit Kind und einigen Heiligen“, wobei wir die Heilige Barbara klar am Turm und den Heiligen Sebastian an den Pfeilen erkennen können. Das Bild wurde vom aus Fabriano stammenden Maler Vincenzo Liberati zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschaffen.

Kapelle 4: Das Heilige Kreuz und die Passionsgeschichte.

In der 4. Kapelle befindet sich das Werk des Malers Orazio Gentileschi aus dem 17. Jahrhundert, der im zentralen Gemälde die Kreuzigung Jesu dargestellt hat. Um Jesus herum sehen wir seine Mutter Maria, den Heiligen Johannes den Evangelisten und am Fuße des Kreuzes Maria Magdalena. Der Rest der Kapelle zeigt verschiedene Szenen aus der Passionsgeschichte.

Kapelle 5: Die Heiligen Feliciano und Crispino.

Die Schuhmacher und Gerber finanzierten die 5. Kapelle und beauftragten den Maler Claudio Ridolfi aus dem 17. Jahrhundert mit dem Hauptgemälde. Dieser stammte ursprünglich aus Verona, zog jedoch in die Marken, wo er zahlreiche Kunstwerke schuf. Er starb schließlich in Corinaldo.

Das Gemälde, ein klassisches Beispiel für die stillende Maria, trägt den Titel „Die Madonna mit dem Kind und Heiligen“. Der heilige Crispino, Schutzpatron der Schuhmacher, blickt Maria verzückt an. Links neben dem Bild steht der heilige Bischof Feliciano.

Kapelle 6: Das letzte Abendmahl.

In dieser Kapelle, die eigentlich die linke Seite des Querschiffs ist, fällt sofort das große Gemälde ins Auge, das so reich verziert ist: Hier malte der aus Macerata stammende Maler Giuseppe Bastiani im 17. Jahrhundert „Das letzte Abendmahl“. Davor befindet sich ein besonders reich verzierter Altar. Auf einem anderen Bild sehen wir die Verkündigung durch den Engel Gabriel.

Der Altar und die Chorgestühle:

Hinter dem Hauptaltar oben entdeckten wir ein riesiges Fresko aus dem 17. Jahrhundert, gemalt von Giovanni Loreti. Wir sehen „Den Triumph des Glaubens“, die „Krönung Mariens“ und „die vier Tugenden“. Dank der Restaurierung nach dem Erdbeben von 1997 haben Besucher nun wieder die Möglichkeit, das Fresko in seiner ganzen Pracht zu bewundern, denn zuvor war es fast vollständig verschwunden. Das Altarbild stammt aus dem 16. Jahrhundert von Battista Franco und zeigt Maria mit dem Kind zwischen den Heiligen Johannes dem Täufer, Venanzio, Petrus, Johannes dem Evangelisten und Emidio.

Kapelle 7: Johannes der Täufer

In diesem Querschiff, direkt gegenüber der Kapelle des Letzten Abendmahls, befindet sich die Kapelle des Heiligen Johannes des Täufers. Wiederum ist der Künstler Giuseppe Bastiani aus dem 17. Jahrhundert. Alle Kunstwerke hier befassen sich mit dem Sakrament der Taufe und natürlich mit dem Heiligen Johannes dem Täufer. In der Mitte die Taufe Jesu, links die Predigt des Johannes des Täufers und die Überführung des Leichnams des Heiligen Johannes des Täufers. Das schöne Taufbecken wurde Ende des 16. Jahrhunderts von Antonio Maffei di Gubbio geschaffen.

Kapelle 8: Verschiedene Heilige.

Für die 8. Kapelle schuf der Maler Giuseppe Puglia aus dem 17. Jahrhundert Gemälde über den Heiligen Petrus, den Heiligen Hieronymus und andere.

Kapelle 9: San Filippo Neri

Das Bild „Die Ekstase des San Filippo Neri“, im 17. Jahrhundert gemalt von Francesco Guerrieri, fällt hier den Betrachtenden sofort ins Auge.

Kapelle 10: Die Madonna del Popolo.

Hier sieht man ein sehr kleines Bild aus dem 14. Jahrhundert, das eine stillende Madonna zeigt. Besonders auffällig ist der wunderschön gearbeitete, vergoldete Holzrahmen, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts angefertigt wurde. Vor dem Bild steht eine kleine Statue der Madonna von Loreto. Ebenfalls in der Kapelle befindet sich ein Kunstwerk aus dem 19. Jahrhundert von Giuseppe Magni aus Gubbio.

Kapelle 11: Die Madonna Pellegrina.

Ursprünglich sollte die 11. Kapelle ebenfalls von Guerrieri bemalt werden, doch dazu kam es nicht. Stattdessen befindet sich dort eine griechische Ikone mit der weinenden Madonna aus dem 14. Jahrhundert.

Der Name „Pilgermadonna“ bezieht sich auf den Brauch, Darstellungen oder Statuen der Maria an verschiedene Orte reisen zu lassen, wenn man von Krankheiten oder Unglücksfällen heimgesucht wurde. In Italien begann man mit diesem Brauch im 19. Jahrhundert.

Kapelle 12: Die Pietà.

Kapelle 12 beherbergt eine Kopie der berühmten Pietà von Michelangelo aus dem 17. Jahrhundert, auf der die Mutter Maria ihren verstorbenen Sohn in ihren Händen hält. Die Gemälde an den Seiten stellen den Heiligen Girolamo und den Heiligen Nikolaus von Tolentino dar. Beide sind Werke von Salvatore Rosa aus dem 17. Jahrhundert.

Nützliche Informationen.

Die Kathedrale wurde an allen Seiten mit Stuckarbeiten und Ornamenten verziert, die aus der Hand von Francesco Silva da Morbio aus dem 17. Jahrhundert stammen.

Kleiner Tipp: Wer alle Seitenkapellen gründlich besichtigen möchte, ist damit leicht einen ganzen Tag beschäftigt. Wer detailliertere Informationen zu den meisten Gemälden wünscht, kann aber auch jederzeit diese Website besuchen.

Wir wünschen Euch einen angenehmen Besuch in der Kathedrale von Fabriano!


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