Ecco Le Marche

In unserem Artikel «24 Stunden Fabriano» hatten wir seinerzeit versprochen, der Kathedrale San Venanzio in Fabriano einen eigenen Blogbeitrag zu widmen. Und dabei mussten wir erkennen, dass ein Artikel allein nicht ausreicht, um diese opulent gestaltete Kirche zu würdigen. Aber fangen wir an:

Die Fassade von San Venanzio.

Die Kirche, die von außen eher schlicht anmutet, erfuhr bereits im 17. Jahrhundert und auch später immer wieder größere Umbauten. Vergessen sollten wir dabei auch nicht, dass Fabriano im Laufe der Jahrhunderte mehrere Erdbeben erlebte, das letzte davon erst 2016.

Wir wollten sie dennoch besichtigen. Allerdings zeigte die Uhr bereits 11.45 Uhr an und um 12 Uhr sollten die Türen schließen. Trotzdem beschlossen wir, noch kurz hineinzugehen.

Im Inneren der Kathedrale von Fabriano.

Wenn wir vom schlichten Äußeren auf das Innere geschlossen hätten, wären wir ganz schnell eines Besseren belehrt worden: Wohin wir auch schauten, sahen wir reichhaltige Verzierungen. In den meisten der zahlreichen Seitenkapellen befand sich je ein bedeutendes Kunstwerk. Über den Kapelleneingängen prangten darüber hinaus die Familienwappen und die Zunftsymbole der jeweiligen Stifter. All dies zeigte uns: Es musste sich hier um eine bedeutende Kirche handeln. Und tatsächlich trägt San Vinanzio den vom Papst verliehenen Ehrentitel einer Basilica minor.

Wir fragten den Küster, ob er uns noch etwas mehr Zeit gewähren könnte, um die Kathedrale zu besichtigen. Aber er schlug uns vor, nach 15 Uhr wiederzukommen, um die Seitenkapellen in Ruhe anzuschauen. Denn nun wollte er die kurze, noch verbliebene Zeit bis zur Mittagspause nutzen, um uns etwas Besonderes zu zeigen.

Neugierig folgten wir ihm durch eine Tür rechts hinter dem Altar und gelangten zwischen den Chorgestühlen hindurch in einen verborgenen Raum.

Die Fresken des San Lorenzo:

Wunderschöne Fresken bedeckten den gesamten Raum samt Decke. Laut dem Küster befanden wir uns in der alten Apsis und den Kapellen der Kirche, wie sie im 14. Jahrhundert war. Der Maler Allegretto di Nuzio, der einst sogar ein Praktikum in der Basilika des Heiligen Franziskus in Assisi absolviert hatte, erwies sich als Schöpfer dieser wunderschönen Darstellungen aus dem Leben des Heiligen Laurentius (San Lorenzo).

Ganz oben sahen wir den Heiligen Laurentius, wie er den Armen die Kirchenschätze überreichte, darunter die Darstellung armer Menschen vor Kaiser Decius. Ganz unten ein großes Bild von Maria mit Kind, neben ihr der Heilige Venanzio. Unglaublich, wie schön die Farben waren! Der Raum war nicht sehr groß, daher war das Fotografieren auch nicht einfach!

Wir sahen noch den Heiligen Laurentius, wie er den blinden Gefangenen Lucillo taufte, dann die Taufe des Präfekten Ippolito und schließlich die Geißelung des Heiligen und seinen Märtyrertod auf dem glühenden Eisenrost.

Wer hätte das gedacht? Ohne den Küster hätten wir diesen Teil niemals entdeckt. Inzwischen zeigte die Uhr schon lange nach 12 Uhr, aber der brave Mann, angespornt durch unsere Begeisterung, beschloss, uns noch einen weiteren versteckten Raum zu zeigen.

Die Kapelle des Heiligen Kreuzes.

Dafür traten wir diesmal durch eine Tür links vom Altar ein und gelangten über verschiedene kleine Räume in die Sakristei. Unterwegs sahen wir Fresken aus dem 14. Jahrhundert der Fabrianer Malerschule, darunter die Kreuzigung, die Geburt Jesu und die Martyrien des Evangelisten Johannes.

Am Ende gelangten wir in die Kapelle des Heiligen Kreuzes. Hier stellte der umbrische Maler Giovanni di Corraducci aus Foligno im 15. Jahrhundert die Legende vom wahren Kreuz, die Kreuzigung und die Wiederauffindung des wahren Kreuzes dar.

Was für ein Glücksfall, dass wir den Küster trafen, denn so etwas entdeckt man nicht einfach so! Diese Räume waren Teile der frühen Kirche aus dem 14. Jahrhundert und wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt, sowie nach dem Erdbeben von 1997 restauriert.

Wir bedankten uns herzlich bei ihm und versprachen, am Nachmittag wiederzukommen, denn schließlich musste der Rest der Kathedrale ja auch noch besichtigt werden!

Aber davon erzählen wir in einem anderen Artikel.

Fortsetzung folgt …


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