Ecco Le Marche

 

Während die Marken generell sehr gute Weine, meist Weißweine, hervorbringen, möchte ich heute einen ganz besonderen Sekt aus den Marken vorstellen, den es nur in der Gegend um den Ort Macerata herum gibt, und der einen traditionellen und ziemlich aufwendigen Herstellungsprozess hat: Vernaccia di Serrapetrona.

Die Traube nennt sich „Vernaccia Nera“ (schwarzer Vernaccia) und wird nur in den Gemeinden Serrapetrona, San Severino Marche und Belforte del Chienti angebaut, die sich in den Hügeln des Appenin an der Grenze zu Umbrien befinden. Sie liefert, anders als der toskanische Vernaccia, einen roten Wein und Sekt! Es ist der erste Wein der Marken, der 2004 das Prädikat DOCG (Denominazione di Origine Controllata e Garantita) erhalten hat. Dieses Prädikat steht bei den Qualitätsstufen noch über dem DOC Prädikat (Denominazione die Origine Controllata), den der Vernaccia schon seit 1971 besitzt. Bei der Recherche habe ich einen Verweis gefunden, daß der Vorläufer des heutigen Vernaccia di Serrapetrona bereits im 15 Jahrhundert existierte!

DOCG Prädikat

Der Vernaccia di Serrapetrona besteht zu mindestens 85% aus der „Vernaccia Nera“ Traube. Die restlichen Anteile dürfen andere in der Region zugelassene Trauben sein, wie Montepulciano, Sangiovese oder Ciliegiolo.

Aber noch ungewöhnlicher als die verwendete rare „Vernaccia Nera“ Traube ist der aufwendige Herstellungsprozess, der für diesen roten Sekt 3 Fermentations-Stufen vorsieht:
Nach der Ernte, die ausschließlich manuell erfolgt, werden 60% der Trauben direkt gepresst und in Fässern gegärt (1. Fermentation). Die anderen 40% werden erst für einige Monate entweder auf Gerüsten oder in Holzkisten getrocknet. Erst im Januar werden sie sehr schonend gepresst und der Saft wird den Fässern hinzugegeben. Damit startet die 2. Fermentation.

Nach weiteren 2 Monaten wird der Wein in Druckbehälter umgefüllt und es wird Hefe zugesetzt um die Sektgärung (3. Fermentation) zu starten. Je nach Zuckergrad entsteht ein trockener (secco) oder ein lieblicher (dolce) Sekt. Insgesamt muß der Wein 18 Monate reifen, davon mindestens 6 Monate in Flaschen.

Druckbehälter für die Sektherstellung (nach italienischer Methode)

Das Resultat ist ein sehr dunkelroter Sekt, der intensiv nach Wein und roten Früchten riecht und einen Alkoholgehalt von mindestens 11,5% vorhält. Den wollten wir natürlich im Vorfeld unserer Arbeit an diesem Post auch probieren – bei herbstlich schönem Sonnenschein-Wetter bei Isabelle auf der Terrasse!

Neben dem Sekt bieten die Winzer von Serrapetrona auch Rose-Weine und hochwertige Rotweine aus der „Vernaccia Nera“ Traube an. Ich habe mir in einer Weinhandlung in Jesi ein Flasche Vernaccia Rotwein mitgenommen und freue mich schon darauf, ihn bei einem guten Essen zu verkosten!

Übrigens kann man jedes Jahr im November die Weingüter in Serrapetrona besichtigen. Der Weg lohnt sich in zweierlei Hinsicht: erstens kann man sich die Appassimenti ansehen, das heißt die Vorrichtungen auf denen die dunkelroten Trauben zum Trocknen hängen, und sich von den Winzern alles rund um den Vernaccia Wein erklären lassen. Zweitens bietet der Weg dorthin Ausblicke auf die wunderschönen herbstlichen Appenin-Landschaft und den kleinen Ort Serrapetrona, der in den Hügeln thront.

Nächstes Wochenende (18. November) ist es wieder soweit und es heißt „Appassimenti aperti“ (geöffnete Trocknungshallen).

 

 


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