Ecco Le Marche

Unsere Marken-Region ist immer so herrlich, dass wir hier gerne herumreisen und dabei hin- und wieder auf versteckte kleine Schätze treffen. Isabelle und Eriks letzte Entdeckung: Die Benediktinerabtei des Erzengels Sankt Michael (San Michele Arcangelo), die sich auf dem Monte Sant Angelo bei Arcevia befindet.


Sie ist dem Erzengel Michael, einem langobardischen Schutzpatron, gewidmet.

Der heilige Michael war einer der vier Erzengel und Anführer der himmlischen Heerscharen. Er ist sowohl in der christlichen als auch in der muslimischen und der jüdischen Kultur bekannt. Ihm werden viele Legenden zugeschrieben, in denen er erschienen ist und als Retter aufgetreten ist. Eine davon ist, dass er mit seinem Schwert einen als Drachen verkörperten Teufel bezwungen hat. Deshalb wird er meist mit Schwert dargestellt.

Bereits ab dem Jahre 1024 war die Abtei San Michele ein wichtiger Anziehungspunkt für Pilger. Irgendwann ging das Kloster in den Kamaldolenserorden über. Ab dem 17. Jahrhundert verlor sie allmählich ihre Bedeutung und verfiel. Aber 1904 wurde die Kirche im Auftrag der Gemeinde Arcevia restauriert und mit einem großen Eisenkreuz anstelle des alten, eingestürzten Glockenturmes versehen, so dass das kleine Gebäude schon von weitem zu sehen war.

Aber auch das konnte nicht verhindern, dass die Kirche immer mehr verfiel. Erst am 16.9.2007 erstrahlte sie nach gründlichen Renovierungsarbeiten wieder in ihrem alten Glanz!

Das wirklich Einzigartige an diesem Ort ist jedoch: zieht man zwischen den anderen, ebenfalls dem Erzengel geweihten Orten (der Skelli Kirche in Irland, dem Sankt Michael Berg in Cornwall, dem Mont Saint Michel in Frankreich, der Sacra di San Michele in Val di Susa in Norditalien, der Basilica di San Michele in Apulien, dem griechischen Kloster Mixales und dem Berg Karmel in Israel), eine imaginäre Linie, so befindet sich auch unsere marchigianische Sankt Michael Kirche exakt auf dieser. Diese Linie, so sagt man, soll das Schwert symbolisieren, mit dem der heilige Michael einst den Drachen überwunden hat.

Vom 8. Mai bis zum letzten Sonntag im September, jeweils Sonntagsnachmittags von 15 bis 18 Uhr, öffnen Freiwillige, die sich um die Kirche kümmern, diese für interessierte Besucher. Sie kann jedoch, so sagt der Anschlag an der Kirche, wegen schlechtem Wetter oder falls kein Freiwilliger verfügbar ist, geschlossen bleiben.

Isabelle und Erik sind eines Sonntags hingefahren und genossen unterwegs schon den wunderbaren Blick auf Arcevia. Oben bei der Kirche angekommen, stellen sie fest, dass sie nicht alleine sind: viele Leute haben sich in der schönen Umgebung der Kirche niedergelassen und machen Picknick. Nachher stellt sich heraus, dass sie alle Freunde desjenigen Freiwilligen sind, der an diesem Tag dafür zuständig ist, die Kirche zu öffnen.

Jedenfalls können die beiden jetzt eintreten.

Obwohl sie so klein scheint, ist die Kirche ein interessantes drei-schiffiges Gebäude mit einem Tonnengewölbe in der Mitte und Kreuzgewölben an den Seiten. Auf dem Altar steht natürlich eine Holzstatue des Erzengels Michael, deren Original dem berühmten französischen Holzschnitzer Léonard Chailleau zugeschrieben wird und das sich in der Kirche San Medardo in Arcevia befindet.

An den Kapitellen der Innensäulen gibt es noch einige nicht entzifferte Inschriften. Rechts vom Hauptaltar befindet sich ein zweiter Altar, dessen Material von den Wallfahrtsorten Monte Sant’Angelo im Gargano und von San Michele in Norditalien gestiftet wurden. Vom berühmten Mont Saint-Michel in der Normandie sind etwas Sand und ein Silberbild ausgestellt.

Und wem immer noch nicht klar ist, wem die Kirche gewidmet ist, braucht sich nur umzusehen: überall findet sich Bilder des heiligen Erzengels Michael:

Selbst wenn die Kirche nicht geöffnet ist, lohnt sich ein Ausflug hierher, denn die Aussicht auf Apennin und Adria ist grandios!

Ein ehemaliger Bergmann aus Arcevia stiftete zudem seine Grubenlampe, um auch den Opfern der Grubenunglücke im nahegelegenen Cabernardi und in der belgischen Stadt Marcinelle bei Charleroi zu gedenken (bei Marcinelle gab es 1956 ein großes Grubenunglück, bei dem über 262 Bergleute umkamen, der größte Teil davon (136) Italiener, darunter 13 Kumpel aus den Marken).

Als es drinnen voller wird, machen sich Isabelle und Erik wieder auf den Weg, nicht ohne nochmal die tolle Aussicht draußen zu genießen.


3 Kommentare

Kurt Luks · 25 September 2021 um 17:42

In unmittelbarer Nähe befindet sich eine Stätte an der an ein Massker, das hier am 4. Mai 1944 von Nazis unter italienischen Partisanen (oder die dafür gehalten wurden) angerichtet wurde.

    isabelle · 1 Oktober 2021 um 17:27

    Hallo Kurt, den Ort hatte ich auch gesehen,aber das wird fuer eine andere Post sein, zB am Tag wenn mann das Ende des zweiten Weltkrieges zelebriert. Aber vielen Dank fuer deinen Tipp, wir freuen uns immer auf extra Info, weil wir natuerlich auch nicht alles wissen ! Isabelle, Elke und Laura.

Kurt Luks · 27 Januar 2022 um 15:04

Das Gemetzele auf dem Monte Sant‘ Angelo fand am 4. Mai 1944 statt. Alljährlich findet hier eine Gedenkfeier statt. http://www.anpiarcevia.it

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