Ecco Le Marche

Überall in den Marken findet man Hinweise auf die ehemalige Präsenz der Tempelritter, seien es Kirchen, Feste, Straßennamen oder andere Gebäude. Was machten sie in den Marken?

Zufällig sah ich einen Veranstaltungshinweis des „Centro Studi Giovanni Carnevale“ über die Templer in den Marken. Die Präsentation sollte im suggestiven Ambiente der „San Claudio in Chienti„-Kirche stattfinden, einem ungewöhnlichen Ort, der schon die ursprüngliche Grabstätte Karls des Großen für sich reklamiert.

Mit einer Freundin fuhr ich erwartungsvoll dorthin. Auf der ersten Etage empfing uns eine scheinbar eingeschworene Gemeinschaft von Zuhörern, die uns etwas skeptisch beäugte: Wir waren stranieri (Fremde), die in der Gruppe nicht bekannt waren. Als ich erwähnte, ich käme aus Aquisgrana (Aachen), überwog die Neugier und ich wurde zunächst auf mir schon bekannten Thesen zu Karl dem Großen hingewiesen. Denn der Vortragende, Giovanni Tomassini, hatte auch darüber schon Bücher geschrieben. Aber zurück zu den Templern:

Wer waren die Tempelritter? Ein kurzer Abriss:

Die Tempelritter waren ein mächtiger christlicher Orden des Mittelalters, der aus der ungewöhnlichen Mischung aus sowohl Rittern als auch Mönchen bestand.

Ihre Ursprünge sollen bis zum ersten Kreuzzug 1095 zurückführen: Papst Urban II. hatte zur Eroberung der Stätten der Christenheit im „Heiligen Land“ aufgerufen. In den eroberten Gebieten, wie etwa in Teilen Israels, Palästinas, des Libanon und der Türkei, wurden sogenannte Kreuzfahrerstaaten gegründet. Danach war ein großer Teil der Kreuzritter nach Europa zurückgekehrt. Die Christen in den Kreuzfahrerstaaten und die stetig wachsende Zahl von Reisenden und Pilgern ins „Heilige Land“ benötigten nun neuen Schutz. Daraufhin gründeten sich die Templer. Im Jahre 1119 soll sich der Orden zunächst unter dem Namen „Arme Ritter Christi“ zusammengefunden haben und seinen Sitz in Teilen der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem erhalten haben. 1139 bestätigte Papst Innozenz II. den Orden und unterstellte ihn direkt dem Papst: Die Templer mussten fürderhin keine Steuern zahlen und erhielten fast unkontrollierbare Macht und Reichtum. Sie erhielten großzügige Geld- und Ländereiengeschenke, gründeten Finanzdienste für die Pilger (so etwas wie Reiseschecks) und liehen ihnen Geld.

Wegen ihres Reichtums, aber auch wegen ihrer immer engeren Kontakte mit den Muslimen im Heiligen Land, wurden sie von der Kirche immer mehr angefeindet. Dem französischen König Philipp IV., der erhebliche Schulden beim Templerorden hatte, gefiel es daher Anfang des 14. Jahrhunderts, diesen zu zerschlagen und damit sein Schuldenproblem zu lösen. Die Templer wurden der Ketzerei und der Sodomie bzw. Homosexualität bezichtigt und allesamt verfolgt und ermordet. 1314 wurde der letzte Großmeister des Templerordens, Jacques de Molay, in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Besitztümer des zerstörten Ordens gingen allerdings nicht an den König, sondern wurden dem ebenfalls christlichen Johanniterorden überstellt.

Jacques de Molay, aus wikimedia commons.

Weshalb gab es so viele Templer in die Marken?

Das erklärte uns Giovanni Tomassini in seinem Vortrag in San Claudio. Wir mussten gut aufpassen, denn er war auf Italienisch.

  • Relativ klar nachvollziehbar: Mit der Öffnung des Seeweges waren die Adriahäfen ein guter Ausgangspunkt für viele Pilger und Reisende nach Jerusalem. Viele kamen auf dem Landweg bis Ancona, Venedig oder Bari. In Orten, die an der Strecke lagen, unterhielten die Templer Kirchen und Lazarette. Darüberhinaus waren die Marken für die Templer ein geigneter Stützpunkt für ihre Operationen, denn von hier ging es per Schiff direkt nach Jerusalem (bzw. Akkon nördlich des heutigen Haifa als Zielhafen auf dem Weg nach Jerusalem).
  • Ein Tempelritter besaß mindestens 3-4 Pferde zur Verteidigung und Sicherung im heiligen Land, darunter 2 große Schlachtrösser. Insgesamt gab es in der Blütezeit des Ordens etwa 20000 Templer weltweit. Allein die Pferde benötigten Unmengen von Getreide, die es in diesen Mengen um Jerusalem nicht gab. Zusätzlich brachten Versorgungsschiffe die Lebensmittel für die Reisenden und Pilger dorthin. Da war Mittelitalien mit seinen Weizenfeldern und seiner Landwirtschaftsproduktion einerseits und dem naheliegenden Hafen von Ancona eine der besten Quellen zur Versorgung.

Wo gab es Templerorte in den Marken?

Hier nur eine kleine Auswahl nachgewiesener Templerorte und -kirchen in den Marken. Über einige haben wir schon geschrieben, weitere werden folgen:

  • Santa Croce bei Sassoferrato
  • San Paterniano in Domo
  • Santa Croce ai Templari in Ascoli Piceno
  • Santa Maria in Piazza in Ancona
  • Sant’Ansovino in Avacelli bei Arcevia
  • Sant’Urbano bei Apiro
  • San Vittorio delle Chiuse in Genga
  • Die Grotten von Camerano
  • Osimo
  • Castignano
  • sowie um den Monte Cucco herum an der Grenze zwischen Umbrien und Marken
  • uvm.

Je weiter ich recherchiere, desto mehr Informationen über Orte mit Templerbezug finde ich. Auch Ihr könnt Ausschau halten, zum Beispiel nach den Templerkreuzen, die sich häufig in Kirchen finden.

Meine Freundin hatte bei Sant’Urbano sogar ein etwas unheimliches Erlebnis: Als sie die Kirche besuchen wollte, musste sie erst warten, weil drinnen scheinbar eine Templer-Zeremonie stattfand. Sie konnte erst hinein, als die Beteiligten in entsprechender historischer Kleidung heraustraten.

Tempelritter-Fest in Castignano: Festival dei Templari

In Castignano in der Provinz Ascoli Piceno soll ein Zentrum der Templeraktivitäten gewesen sein. Dem zu Ehren findet alljährlich im August ein großes, liebevoll organisiertes Templer-Festival (Templaria) statt. Da gibt es Essen und Trinken und allerlei Live-Vorführungen. Wenn ich die Fotos vom letzten Jahr dazu wiederfinden sollte, dann schreibe ich noch einen Artikel dazu. Wenn nicht, sehen wir uns vielleicht im August nochmal dort!

Referenzen:

Claudio Ciabocchi: Le Marche in tasca: Templari nelle Marche: luoghi da scoprire. (2016). Hier als kostenloser pdf-download.

Giovanni Tomassini: The last guardians of the Knights templars treasure. (2016, zurzeit nicht verfügbar).


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