Ecco Le Marche

Im Rahmen der FAI-Tage (der Tage des offenen Denkmals) fuhren meine Bloggerfreundin Isabelle und ihr Mann Erik nach Lamoli und konnten dort die Abbazia San Michele Arcangelo (die Abtei des Heiligen Erzengels Michael) besichtigen.

Außenansicht der Abbazia San Michele Arcangelo:


Wie so oft, wurde die Führung von einer Gruppe von Schülern der Gegend durchgeführt – eine sehr sympathische Maßnahme. Isabelle erfuhr dabei, dass Lamoli früher exakt an der Grenze zwischen Umbrien und den Marken, nämlich an der Straße zwischen Urbino und Rom, gelegen war. Das war strategisch wichtig, auch in Hinsicht auf Handel und Pilgerreisen.
Bereits während der langobardischen Zeit, im 6.–8. Jahrhundert n. Chr., stand hier ein Gotteshaus, doch die erste schriftliche Erwähnung der heutigen Abtei stammt erst aus dem Jahr 1218.

Die heutige Abtei hat weitgehend ihre ursprüngliche Form aus dem 8.–9. Jahrhundert mit den typischen romanischen Merkmalen, wie zum Beispiel den kleinen Rundbogenfenstern, bewahrt, und nahm im 12. Jahrhundert ihre endgültige Gestalt an.

Innenraum der Abtei in Lamoli:

Im Inneren übernahmen andere Schüler die Führung: An den Wänden nahe dem Eingang sahen wir allerlei Überreste alter dekorativer Fragmente, die aus der früheren, langobardischen Kirche stammten. Darunter befand sich als Blickfang ein altes Taufbecken.

Die Fresken und Gemälde im Innenraum:

An der Seitenwand und an den Säulen am Eingang der Kirche bewunderten Isabelle und Erik die Fresken des Heiligen Julianus und des Heiligen Rocco aus dem 15. Jahrhundert, die beide aus der Werkstatt von Mercatello stammen. Der Heilige Augustinus stammt aus dem 16. Jahrhundert. Dabei wurden einige Fresken von den Wänden entfernt und auf einen neuen Untergrund übertragen.

In der Krypta, die wahrscheinlich noch zum originalen langobardischen Bau gehört, konnten sie ein Gemälde namens „Madonna del Latte“ oder „stillende Madonna“ aus dem 15. Jahrhundert besichtigen:

Sehr auffällig war ein Gemälde, das den Erzengel Michael darstellte, in einer Kopie aus dem 17. Jahrhundert.

Die Anbetung Jesu durch die Hirten soll von Raffaellino del Colle aus dem 16. Jahrhundert stammen.

Das Kreuz in der Apsis der Abtei in Lamoli:

Über dem Hauptaltar thronte eine hölzerne Jesusfigur am Kreuz aus dem 16. Jahrhundert, gefertigt aus Olivenholz. Die Schöpfer sollen Schüler der Florentiner Schule von Brunelleschi gewesen sein, der die Kuppel des Doms von Florenz entworfen hat.

Aber Isabelle beeindruckte vor allem die Holzstatue des Erzengels Michael, der den Teufel mit Füßen tritt. Unter dem Sockel ist die Inschrift einer sogenannten Mamma Giuseppina zu lesen, die dem Heiligen für ihre kleine Tochter dankt. Dazu passend entdeckte Isabelle am Fuß der Statue das Foto eines Mädchens.

Schließlich wurde die Gruppe noch in den hinteren Teil der Kirche geführt, in dem sich ein Raum mit Messgewändern und alten Dokumenten der Abtei befand.

Dann verließen die beiden diese schlichte, aber gerade deshalb schöne Abtei, in der der romanische Stil so gut erhalten geblieben ist.

Das Naturfarbenmuseum:

Eigentich wollte Isabelle noch das Naturfarbenmuseum besuchen, das sich im Kreuzgang des Klosters befindet. Früher bauten die Mönche nämlich in der Gegend Pflanzen an, mit denen sie malen oder Kleidung färben konnten. Das Museum soll einen schönen Einblick in die Herstellung von Farben im Laufe der Jahrhunderte geben. Doch die Führungen dazu sollten erst am Nachmittag stattfinden, so dass sich Isabelle und Erik das für ein anderes Mal vornahmen.

Mit Blick auf das Dorf Lamoli, einem Ortsteil von Borgo Pace, verließen die beiden die Abtei. Wieder einmal ein kurzweiliger, lehrreicher Vormittag!



0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert