Die italienischen Infioratas finden meist um Fronleichnam statt, darüber haben wir letzte Woche bereits berichtet. Nicht so, die Infiorata von Fabriano.
Die Infiorata von Fabriano:
Denn die Infioratori, das sind die Blumenkünstler, stellen ihre Werke erst während des Palio von Fabriano aus. Den Palio feiert man dort um den 24. Juni herum, zu Ehren des Schutzpatrons San Giovanni Battista und des Heiligen Johannes des Täufers. Bei dieser Infiorata werden keine Straßen mit Blumen geschmückt. Stattdessen werden die Exponate in vier Kirchen ausgestellt.
Vorab erstellt jedes Stadtviertel (Porta Cervara, Porta Pisana, Porta del Piano, Porta del Borgo) einen gezeichneten Entwurf des Blumenteppichs. Diese Skizze wird dann auf dem Kirchenboden vergrößert, und das Verlegen der Blumen kann beginnen. Das ist natürlich praktisch, denn in der Kirche sind sie nicht vom Wetter abhängig wie bei den Infioratas anderer Orte, wo sich alles draußen auf den Straßen abspielt. Außerdem werden die Blüten zu Pulver zermahlen, wodurch die Blumenbilder länger schön bleiben.
Man kann den Infioratori übrigens schon vier Tage im Voraus bei der Arbeit zusehen.

Die San-Benedetto-Kirche von Fabriano.
Letztes Jahr besuchten Isabelle und ich Fabriano, um Material für unseren Artikel „24 Stunden in Fabriano“ zu sammeln. Doch die San-Benedetto-Kirche war leider geschlossen. Zufällig war Isabelle aber zwei Wochen später noch einmal dort. Zu ihrer großen Überraschung standen die Türen nun weit offen und im Inneren befanden sich eine Bühne und ein großes Blumenarrangement: Fabriano bereitete sich auf den Palio vor!
Geschichte der San-Benedetto-Kirche:
Im Jahr 1244 ließ der heilige Silvester Guzzolini in Fabriano eine Kapelle für seinen Orden der Silvestrini-Mönche, einem Zweig des Benediktinerordens, errichten. Der Heilige Silvester Guzzolini lebte übrigens jahrelang in einer Einsiedlerhöhle, der Grotta Fucile, am Hang des Monte Revellone in der Nähe der Gola della Rossa und Frasassi.




Im Jahr 1290 wurde das Gotteshaus zu einer richtigen Kirche umgebaut, die dem Heiligen Benedikt von Norcia geweiht war. Von dieser ersten Kirche sind noch einige Überreste an der Seite des heutigen Gebäudes zu sehen. Danach veränderte man das Äußere der Kirche mehrfach, wobei das Innere bis heute den barocken Charakter des 16. Jahrhunderts behielt. Die Fassade und der Glockenturm sind neueren Datums und stammen aus dem 18. Jahrhundert. Wiederholte Erdbeben, darunter die jüngsten in den Jahren 1997 und 2016, führten seitdem immer wieder zu Restaurierungsarbeiten.
Ebenfalls im 13. Jahrhundert wurde neben diesem Gotteshaus ein Kloster mit Kreuzgang errichtet, das als Hauptsitz der Silvestrini diente. Dieser Kreuzgang ist immer zugänglich, da er inzwischen als Ausstellungsraum genutzt wird.









Innenraum der Kirche San-Benedetto:
Beim Betreten fiel Isabelle sofort das Blumenbild ins Auge. Von einer Bühne aus hatte man einen schönen Überblick über das Ganze. Aus der Nähe sah man dagegen deutlich, dass die Blumen zu Pulver zermahlen waren. Das mühsame Zerkleinern der Blüten schien eine echte Mönchsarbeit zu sein! Ein Schild daneben erklärte das Werk: Es war eine Hommage an das traditionelle Papierhandwerk, für das Fabriano so berühmt ist.





Die 10 Seitenkapellen der San-Benedetto-Kirche:
Das Innere der San-Benedetto-Kirche besteht aus einem Mittelschiff und 10 Seitenkapellen, die jeweils reich verziert sind. Hier einige Beispiele:
Die erste, linke Seitenkapelle beherbergt das Werk von Orazio Gentileschi, einem italienischen Maler aus dem 16./17. Jahrhundert, der später nach Paris und London zog. Hier dargestellt sieht man den Heiligen Carlo Borromeo beim Beten:

Die fünfte, linke Seitenkapelle zeigt das Werk des Künstlers Giuseppe Bastiani aus dem 16./17. Jahrhundert: Der Heilige Omoboni, der seinen Besitz den Armen schenkt.

Die vierte, rechte Seitenkapelle widmete der Maler Pasqualino Rossi aus dem 17./18. Jahrhundert ganz dem Heiligen Josef. Übrigens sind wir diesem Maler bereits in der barocken Prunkkirche Santa Lucia in Serra San Quirico begegnet. Das ist wiederum wenig überraschend, schließlich wurde auch diese Kirche vom Silvestrini-Orden gegründet.
Das Altarbild in dieser Seitenkapelle zeigt die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind und dem Heiligen Josef hoch über den Märtyrern Claudio, Nicostrato, Sinforiano, Castor und Simpliciano. Bemerkenswert sind auch die Skulpturen, die als Säulen dienen.


Auch die übrigen Seitenkapellen sind äusserst sehenswert. Wir überlassen es Euch, sie zu entdecken!
Die Fresken an der Decke.
Die prächtigen Deckenfresken wurden erst 1840 vom Künstler Pietro Paolo Serafini geschaffen.



Das Presbyterium oder der Altarraum
Die hölzernen Chorgestühle aus dem Jahr 1427, gefertigt von Manno da Benincasa Mannucci, standen früher in der Kathedrale San Venanzio in Fabriano. Die Wände rundherum waren ursprünglich mit Fresken über das Leben des Heiligen Silvester verziert, die aus der Hand des im 16. Jahrhundert lebenden Simone di Magistris, eines Schülers von Lorenzo Lotto, stammten. Leider haben sie den Zahn der Zeit nicht überstanden.
Die Krypta war geschlossen:



Die Krypta war bei Isabelles Besuch dennoch geschlossen. Hier liegen die Reliquien des seligen Giovanni di Bonello da Paterno, auch del Bastone genannt. Er war einer der ersten Anhänger des Heiligen Silvester. Des Weiteren ein Freskenzyklus von 1696, geschaffen von Luca Lucci, sowie eine romanische Statue aus dem 14. Jahrhundert, die den Seliggesprochenen darstellen soll und von Martino da Cingoli geschaffen wurde. Ein guter Grund, nochmal hierhin zurückzukehren.
Die übrigen Infiorata-Werke in Fabriano:
Die Kirche San Benedetto ist mit dem Viertel Porta del Piano verbunden. Die Porta Cervara wählt für ihr Blumen-Kunstwerk meist die Kirche San Filippo aus. Die Kirche San Biagio e San Romualdo gehört wiederum zum Porta Pisana-Viertel, während die Porta del Borgo Contrade in der Kirche San Niccolo ausstellt.
Dies kann jedoch von Jahr zu Jahr variieren. Wer es genau wissen will, sollte daher vorher auf der Facebook-Seite des Palio schauen!



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