Ecco Le Marche

Die Natur hält so einige überraschende Phänomene bereit. So den Sasso Spaccato, den gespaltenen Stein im Süden der Region Marken, den meine Blogger-Freundin Isabelle und ihr Mann Erik kürzlich besuchten. Sie fuhren in die sybillinischen Berge nach Acquasanta Terme und nahmen dort die Nebenstraße zum Dorf Tallacano. Über die natürlichen Thermalquellen bei Acquasanta Terme hatte ich übrigens kürzlich erst berichtet.

Einst ein dicht besiedeltes Gebiet, ist es heute einsam in der Gegend geworden, vor allem nach dem Erdbeben im Jahre 2016, bei dem einige Dörfer der Gegend zerstört wurden. So auch das Dorf Tallacano. Wie das Dorf entstanden ist, ist unklar: möglicherweise waren es während der Römerzeit geflohene Griechen oder aber Mitglieder der Familie Tagliacane, die im 14. Jahrhundert aus Ascoli Piceno herzogen. Eines der ersten Dokumente, in denen Tagliacane erwähnt wird, datiert auf das Jahr 1527. Es befindet sich in den Vatikanischen Museen.

Isabelle und Erik parkten kurz vor dem Ortseingang und gingen zu Fuß weiter, denn das Dorf war wegen der Erdbebenschäden für die Durchfahrt gesperrt.

Hier sind die Google-Koordinaten des Ortes: Tallacano.

Am anderen Ende des Dorfes, wo ein großes Schild mit Erläuterungen hing, bogen sie links ab und verließen nach einer Weile die asphaltierte Straße, um den Beschilderungen des Weges 519 zum Sasso Spaccato zu folgen.

Der Aufstieg über den unbefestigten Weg war ein wenig beschwerlich, aber zum Glück machten die herrlichen Panorama-Aussichten gute Laune und motivierten zum Weitergehen.

Und so stiegen die beiden höher und höher und erreichten die kleine Kirche San Pietro Apostolo aus dem 16. Jahrhundert, die aber leider geschlossen war.

Nach weiteren 15 Minuten hatten sie schließlich ihr Ziel erreicht: In der einen Minute liefen sie noch durch dichtbewachsene Wälder und in der nächsten standen sie vor einer gigantischen, der Länge nach gespaltenen Felswand. Über Jahrhunderte hat die Kraft des Wassers diese spektakuläre Schlucht ausgespült und geschaffen.

Im Sommer, wenn die Bäume oben auf der Klippe belaubt sind, sieht das Ganze vermutlich noch beeindruckender aus! Seltsame Höhlen und Löcher schmückten die Felswände, neben anderen Spuren mit traurigem Hintergrund: Man sagt, dass man hier Ende des 19. Jahrhunderts die Toten einer Cholera-Epidemie bestattete und aus diesem Anlass Kreuze in den Fels geritzt hat.

Hier endete auch der Weg und so kehrten die beiden um und gingen denselben Weg zurück zum Auto, den sie gekommen waren, in Gedanken immer noch bei dem seltsamen Naturschauspiel des Sasso Spaccato.

Bei ihrer Weiterfahrt Richtung Ascoli Piceno kamen die beiden unterwegs an einer kleinen Kirche mit Friedhof vorbei: San Giovanni di Battista in Forcella. An der Seite lagen einige alte Mühlsteine, denn in dem wasserreichen Gebiet gab es früher eine Reihe von Wassermühlen. Das Kirchenschiff und der Turm stammten aus dem 12. Jahrhundert, der vordere, etwas jüngere Teil aus dem 16. Jahrhundert. Isabelle ließ es sich nicht nehmen, durch das Tor des Kirchenhofs zu schleichen und einen Blick auf den Friedhof zu werfen. Die letzte Person wurde 2021 beerdigt – der alte Friedhof schien also immer noch in Betrieb zu sein.

Diese Wanderung ist definitiv etwas für Naturliebhaber!

Einige Tipps:

  • Unbedingt feste Wanderschuhe tragen
  • Die Zeit nach Regenperioden meiden, da kann der Weg sehr rutschig sein
  • Der Weg ist, weil etwas beschwerlich, nicht für kleine Kinder geeignet


2 Kommentare

Uwe · 13 April 2022 um 18:06

Beim Anblick der Fotos des „Sasso Spaccato“ musste ich unwillkürlich an die „vie cave“ in der Toskana denken, wo es Dutzende dieser Hohlwege im Umfeld der Städte Sovana, Sorano und Pitigliano gibt! Witzigerweise gibt es einen solches Exemplar auch bei Goldbach am Bodensee! Sowohl in der Toskana als auch am Bodensee ist die künstliche, also menschengemachte, Entstehung unstrittig, was aber nicht heißt, dass man sich in Italien darüber einig wäre, welchen Zweck die „vie cave“ einst erfüllen sollten;-) Interessant wäre es nun zu wissen, ob es noch weitere Vertreter des „Sasso Spaccato“ in den Marken gibt! In der Toskana findet man ja auch die wenigsten „vie cave“ in den einschlägigen Reiseführern…

    elke · 14 April 2022 um 09:04

    Interessant! Weder Isabelle noch Laura oder ich haben über weitere solcher Phänomene in den Marken gehört. Das heißt nicht, dass es sie nicht gibt … Viele Grüße Elke

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