Ecco Le Marche

Mit rund 170 Kilometern Strand sind wir in den Marken sehr verwöhnt, was den Zugang zum Meer angeht. Von Norden bis Süden gibt es wunderbare Strände, sowohl mit Sand als auch mit Kies und viele haben dieses Jahr wieder das Qualitätszertifikat „Bandiera Blu“ (Blaue Fahne) erhalten. Darunter Porto Potenza Picena, wo ich in den letzten Wochen gleich zweimal war.

Der Ort war vermutlich ursprünglich eine Römersiedlung, die Sacrata genannt wurde und später, im 16. Jahrhundert, eine Fischersiedlung um den Wehrturm Torre Sant’Anna herum. Erst nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich Porto Potenza Picena zum beliebten Strandort.

Bei unserem ersten Besuch waren wir morgens auf der Durchreise dort, um eine schöne Frühstückspause mit Blick aufs Meer einzulegen. Es hat mir so gut gefallen, dass wir beim zweiten Mal den neu entdeckten Strand richtig genießen wollten.

Wir verabredeten uns am Bagno, denn mein Mann wollte vorher noch eine Fahrradtour unternehmen. Wie beim ersten mal fand ich ohne Probleme einen Parkplatz direkt an der Bahnlinie, die ich dann nur noch durch eine Fußgängerunterführung unterqueren musste, um direkt am Meer zu stehen. Der Parkplatz war bezahlpflichtig, kostete bis 20:00h aber nur 50 ct pro Stunde, was ich völlig ok fand. Ich gehe meistens nur einen Nachmittag an den Strand und frage dann in einem der Bagnos nach einem guten Preis für Liegen und Sonnenschirm für den Rest des Tages.

Wer kein Geld für Liegen und Sonnenschirme ausgeben möchte, findet hier eine ganze Reihe sauberer, schöner Strandabschnitte, die frei sind, aber dennoch mit Toilette, (kalter) Dusche, Fußdusche und Abfallbehältern ausgestattet sind. An zweien davon habe ich sogar Bademeister/Rettungsschwimmer gesehen. Freie Strandabschnitte gibt es in allen Orten, aber nicht alle sind so schön instand gehalten wie in Porto Potenza Picena.

Die Anlage des rund 3 Kilometer langen Strandes samt Promenade und Bänken zum Ausruhen und um den Blick aufs Meer zu genießen ist liebevoll gestaltet, sauber und gut in Schuss gehalten. Es finden sich Bars, Restaurants und Kioske für jeden Geschmack und Geldbeutel.

Es ist ein kleines, abgeschiedenes Paradies, in dem nur die Eisenbahn, die sicher vom Strandbetrieb getrennt auf einem Wall entlangfährt, nicht zu überhören ist.

Hier kann man sehr gut mit Kindern hingehen, denn:

  • Strand- und Strandpromenade sind durch einen Eisenbahnwall von der Straße getrennt. Man parkt jenseits des Walls und geht dann durch eine der Unterführungen zum Strand. Dadurch ist der Strand vom Autoverkehr getrennt.
  • Es ist ein schöner, weitläufiger Sandstrand, der im Wasser sehr flach abfällt, so dass auch kleine Kinder gut hinein können.
  • Vorgelagerte Wellenbrecher sorgen für ruhiges Wasser
  • Viele Strandabschnitte sind von Bademeistern/Rettungsschwimmern überwacht (tagsüber / Saison)
  • Einige Bagnos laden mit großen, bunten Spielgeräten.

Dass hier gerne Familien hinkommen, erkennt man auch an den Netzen mit Spielzeugen, die sich an vielen der Liegen befinden: Wer Liege und Sonnenschirm über mehrere Tage mietet, läßt das Spielzeug einfach dort!

Was kann man sonst unternehmen?

Eine der historischen Sehenswürdigkeiten im Ort ist die Sankt Anna Kirche, die zwar in ihrer jetzigen Form auf das Jahr 1926 datiert, als der Architekt Eusebio Petetti sie an Stelle der abgerissenen alten Kirche im neu-gotischen Stil wieder aufbaute. Aber innen befindet sich ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert, das die Jungfrau mit Kind zwischen den Heiligen Gioacchino und Anna darstellt und dem Maler Cavalier Perugino zugeschrieben wird.

Daneben der Hafenturm, der im 16. Jahrhundert zum Schutz vor Piraten erbaut wurde und der im 18. und 19. Jahrhundert restrukturiert wurde. Man kann ihn am Wochenende zwischen 21:30 und 23:30 besteigen, aber wir waren leider in der Woche dort und konnten den Turm nur von aussen bewundern.

Die Comune von Porto Potenza hat 2021 eine große Street-Art Initiative gestartet: Eine Gruppe lokaler Künstler gestaltete Wände der Strandpromenade mit bunten Graffitis. Ich habe einige Motive aus Porto Potenza Picena wiedererkannt, wie die Sant’Anna Kirche und den Hafen-Turm. Das ganze wurde damals mit einigen Live-Aktionen begleitet, bei denen man den Künstlern bei der Arbeit zusehen konnte. Sie planen ähnliche Veranstaltungen auch wieder dieses Jahr. So kann man als nächstes vom 6. bis 9. August zusehen, wie der Skate-Park in Potenza Picena von den Street-Art-Künstlern gestaltet wird. Hier sind die Facebook Seite, die Instagram Seite und eine Kontakt-email-Adresse (colori.in.comune@gmail.com) zu den Aktionen. Mir haben die Graffitis sehr gut gefallen, aber Kinder werden es auch sehr spannend finden!

Im nördlichen Küstenbereich liegen einige Brackwasserseen, die zum Spaziergehen und Vogel-Beobachten einladen, an denen wir aber nur kurz auf dem Rückweg vorbeigefahren sind.

Die Villa Buonaccorsi im Landesinnern ist aus dem 16. Jahrhundert und mit einer großzügigen, terrassierten, barocken Gartenanlage ausgestattet. Sie wird hauptsächlich für Veranstaltungen und Hochzeiten genutzt. Der Pro loco von Porto Picena sagte mir allerdings, dass sie leider im Moment nicht besichtigt werden kann.

Nach einem schön entspannten Strand-Nachmittag wollten wir es uns nicht nehmen lassen, noch zum Abendessen zu bleiben. Das Restaurant bei unserem Bagno war fast vollständig ausgebucht (wochentags im Juli!), so dass wir froh waren, einen der letzten Tische zu ergattern. Zur Belohnung gab es einen schönen Sonnenuntergang und leckere Meeresfrüchte!


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