Ecco Le Marche

Im eccolemarche-Blog haben wir Euch schon so einige mittelalterliche Burgen und Dörfer vorgestellt. Aber damit haben wir noch nichts über den Alltag, die Kleidung, die Waffen und die Werkzeuge des Mittelalters erfahren!

Glücklicherweise wurden wir, also Laura, Isabelle und Elke, vom schon 11 Jahre bestehenden Verein Armati della Antica Marca zu einem Treffen eingeladen, um diese dunkle, aber dennoch faszinierende Epoche besser kennenzulernen. Mit mehr als 45 Mitgliedern im Alter von 6 bis 82 Jahren, sind die Armati della Antica Marca sehr aktiv und haben einiges zu tun.

Zum Einstieg erst einmal ein Video, das die Mitglieder unter anderem während des Lockdowns erstellt haben, und das typische Szenen eines mittelalterlichen Tages zeigt:

Fühlt Ihr Euch jetzt schon ein bisschen in diese Zeit zurückversetzt? Tatsächlich nimmt die Gruppe ihre Arbeit sehr ernst: Sie decken im wesentlichen die Zeit von 1100 bis 1250 ab, also die Blütejahre der Staufer-Dynastie mit ihren berühmten Vertretern Friedrich I Barbarossa und Friedrich II, und sie beschäftigen sich mit allem, was in der Zeit passierte, gedacht und gefertigt wurde.

Innerhalb des Vereins gibt es verschiedene Schwerpunkte: Bogenschießen, Schwertkämpfe, historische Werkzeuge, Kleidung und Tänze der Zeit. Dabei ist jedes Mitglied meist auf eine oder zwei dieser Disziplinen spezialisiert und – darauf ist Präsident Andrea besonders stolz: Die Aufführungen der Armati della Antica Marca sind sehr vielfältig und sie können deshalb auch ein großes Publikum für mehr als 2 Stunden unterhalten.

Während unseres Interviews waren Andrea, der Präsident, und Marta, die sich auf Tänze und Kleidung versteht, per Video zugeschaltet. Persönlich anwesend waren Graziano, der Vize-Präsident und Spezialist fürs Bogenschießen, Rolando, der sich mit historischen Materialien beschäftigt und … Lauras Bruder Marco, der in der letzten Zeit eifrig hölzerne Werkzeuge und Objekte für eine große Veranstaltung gefertigt hat. Laura sagt, jetzt weiß sie auch, warum in letzter Zeit soviel Lärm und Gehämmer aus der Garage tönte!

Nichts ist dem Zufall überlassen: Die Bögen und Pfeile werden selbst hergestellt oder bei professionellen, aufs Mittelalter spezialisierten Kunsthandwerkern bestellt. Sie sind originalgetreu und müssen daher strengen Vorgaben entsprechen.

Auch die Schwerter sind von Kunsthandwerkern gefertigt und wirken sehr authentisch. Schaut mal in dieses Video hinein:

Es gibt beim Schwertkampf verschiedene Bewegungsabläufe, zum Beispiel für die Verteidigung oder den Angriff und die Kämpfer der Gruppe trainieren dafür ein- bis zweimal in der Woche. Natürlich sind es keine richtigen Kämpfe und um reale Verletzungen zu vermeiden, folgen sie am Ende des Kampfes einer vorher vereinbarten Choreographie: Es wird vorher genau festgelegt, wer gewinnt und wer verliert und wie die letzte Szene abläuft. Dazwischen wird aber meist improvisiert, versichern uns die Armati.

In dem Film oben konntet Ihr auch ein anderes Highlight ihrer Aufführungen sehen: Die Tänze. Auch hier werden die Bewegungsabläufe und Gesten nach historischen Vorbildern gestaltet. Und wer schon einmal bei solch einer Vorführung dabei war, weiß, dass sie mitunter auch Leute aus dem Publikum dazu holen – also aufgepasst!

Die Stoffe für die Kleidung werden sorgfältig ausgewählt und die Kleidung wird selbstverständlich selbst genäht. Andrea ist es wichtig, hier von Kleidung und nicht von Kostümen zu sprechen. So besuchen sie auch schon mal eine Konferenz über mittelalterliche Kleidung, so ernst ist ihnen das Thema.

Nun wollt Ihr sicher wissen, wo Ihr die Armati della Antica Marca live und in Action sehen könnt?

Nun, zum Beispiel nächstes Wochenende bei uns in Cupramontana: vom 2. bis 4. September werden sie Szenen aus dem Leben des Corraduccio d’Accola nachspielen. Der war ein Adeliger in unserer Region und aus seinem noch erhaltenen Testament konnten sie viele Aufschlüsse über das damalige Leben ziehen. Es wird, so verrieten uns die Armati, um Geheimnisse, Neid, Rivalität und vielleicht auch um einige Todesfälle gehen … und schließlich wurden die Adligen, Beamten und die anderen Grundbesitzer an das Sterbebett des Corraduccio gerufen …

Hier ist der Trailer für die Veranstaltungen. Der Text besagt: „Accola im Jahre 1285. Die Seelen sind in Aufruhr, denn der alte Graf Corraduccio bereitet sich darauf vor, die Zukunft des Schlosses zu enthüllen“:


Das Schloss von Accola verschwand über die Jahrhunderte und heute erinnern daran nur noch eine Strasse, die „Via Accoli“, und einige Fundamente, über die ein neues Haus gebaut wurde.

Die Veranstaltungen finden in der Abtei Beato Angelo, im Zentrum von Cupramontana und im Ortsteil Poggio Cupro statt und sind Teil des „Marche Storie“-Festivals (Geschichte der Marken), das von der Region Marken unterstützt wird.

Die Veranstaltungen, wie zum Beispiel Führungen, eine Lesung, ein mittelalterliches Abendessen und ein Theaterstück könnt Ihr auf der Seite von Turismo Cupramontana buchen, die ist auch in deutscher Sprache verfügbar (sowie in Englisch, Niederländisch und Französisch). Die Führungen gibt es ebenfalls in den verschiedenen Sprachen und das Mittelalter-Abendessen mit Aufführungen der Armati versteht man gut auch ohne Italienisch-Kenntnisse: https://www.turismo-cupramontana.com/index.php/de/cupramontana-hauptstadt-des-verdicchio-erleben/marchestorie1

Das Testament des Corraduccio d’Accola ist in der Tat spektakulär und eine große Hilfe für die Armati gewesen, denn im Mittelalter wurde wenig über das tägliche Leben aufgeschrieben. Und es war auch nicht einfach, es zu lesen und zu studieren. Sie sagen, ihre Hauptquellen sind die Illustrationen des Bayeux-Wandteppiches und die Kreuzfahrer Bibel.

Na, hat Euch das ein bisschen aufs Mittelalter eingestimmt? Dann nichts wie hin zum Mittelalter-Wochenende in Cupramontana!


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