Ecco Le Marche

Wir haben schon so viele Beiträge über die Burgdörfer von Arcevia veröffentlicht: Caudino und Nidatore, Castiglioni, Palazzo, San Pietro und Loretello und schließlich Piticchio. Aber noch nichts über Arcevia selbst!

Nun waren Isabelle und ihr Mann Erik vor ein paar Wochen im dortigen archäologischen Museum und können es nur empfehlen: im Sommer gibt es dort regelmäßige Führungen, auch auf Englisch. Und da es ein staatliches Museum ist, ist der Eintritt an jedem ersten Sonntag im Monat sogar frei!

Der Eingang des Museums befindet sich im alten Kreuzgang des ehemaligen Franziskus-Klosters, das, mit einigen späteren Veränderungen, aus dem 13. Jahrhundert stammt.

Das Gebiet um Arcevia ist schon seit sehr langer Zeit besiedelt: die ersten Spuren menschlicher Anwesenheit in der archäologischen Zone Ponte di Pietra liegen schon etwa 20000 Jahre zurück und stammen aus der Steinzeit. Im Conelle Graben fand man Überreste aus dem Neolithikum, also aus der Zeit etwa 4000 Jahre v. Chr. Die Universität von Rom führt jedes Jahr Ausgrabungen im Gebiet von Monte Croce-Guardia aus, wo sich Funde aus der Bronzezeit (die Zeit zwischen 2200 und 800 v. Chr.) befinden.

Der schönste archäologische Schatz stammt jedoch aus dem 6. bis 2. Jahrhundert vor Christi. Es ist der sogenannte keltische oder gallische Schatz von Montefortino.

Bei der Führung ging es aber erstmal sehr weit in die Vergangenheit zurück, zu den zahlreichen Rohstücken (Kernsteine), aus denen Messer, Faustkeile oder Schaber geformt wurden. Normalerweise findet man eher Scherben und zerbrochene Werkzeuge, da alles benutzt wurde, bis es wirklich zerbrochen war. Die unversehrten Gegenstände finden sich in der Regel als Beigaben in Gräbern.

Die rötliche Farbe ist dabei charakteristisch für die Werkzeuge der Gegend um Arcevia.

Im nächsten Raum waren Funde aus der Conelle Schlucht ausgestellt, einer verlassenen Stätte. Der Conelle Graben wurde hauptsächlich als Mülldeponie genutzt, so dass sich neben den Utensilien auch Essensreste, wie zum Beispiel Knochen von Bären oder gar eines Hundes fanden.

Zur selben Zeit, dem Neolithikum, also der Jungsteinzeit, wurden auch erste Keramikgefäße hergestellt. Zwar primitiv, aber bereits unter Zuhilfenahme von Öfen. Die Jungsteinzeit ist nämlich eine spannende Epoche, die als die Übergangsphase von Jäger-und Sammlerkulturen hin zu Hirten- und Bauernkulturen gilt.

Den schönsten Raum hat sich der Führer natürlich für den Schluss aufgehoben: die Schätze der gallischen Senonen oder Kelten.

Die Picener, eines der wichtigsten Völker, die vor der Ankunft der Römer in den Marken lebten, verfügten hauptsächlich über Bronzegegenstände, während die Gallier goldene besaßen! Verständlich, dass viele dieser Gegenstände im Laufe der Zeit heimlich ausgegraben und verkauft wurden. So gelangten zum Beispiel Objekte aus der Grabanlage (Nekropole) von Montefortino in das Metropolitan Museum in New York.

Diese Nekropole der gallischen Senonen (wie keltische Stämme, die nach Südfrankreich und Italien gewandert waren, genannt wurden) wurde um das Jahr 1800 bei Ausgrabungen in der Nähe von Montefortino freigelegt. Am Ende fanden sich 47 Gräber, in denen teils sogar noch Holzsärge sichtbar waren. Die Gräber der Männer enthielten vor allem Waffen, während die Särge der weiblichen Toten von Schmuck umgeben waren. Zudem fanden sich Geschirr, Besteck, Töpfe und Pfannen.

Im Museum sind Grabbeigaben von 9 dieser Gräber ausgestellt. Das schönste Stück, eine goldene Krone, befindet sich allerdings im Nationalmuseum von Ancona, aber auch in Arcevia gibt es viel zu sehen:

Isabelle hatte noch viel mehr fotografiert, aber es war nicht einfach, scharfe Bilder von den Gegenständen in den Vitrinen zu machen, sagt sie. Das Beste ist, Ihr besucht das Museum selbst einmal und seht, was unsere alten Vorfahren Tolles geschaffen haben! Mit einer Führung ist es natürlich besonders interessant: Isabelle und Erik haben dafür 4 EUR bezahlt – das klingt mir nach nicht zuviel.

Die aktuellen Öffnungszeiten könnt Ihr auf der Facebookseite oder der Webseite des Museums sehen, auch wenn diese auf Italienisch sind.


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