Ecco Le Marche

Worüber könnte man am Internationalen Tag der Frau, dem 8. März, besser berichten als über die typische Frauenfigur der Marken des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts: der Vergara.

Ich glaube, ich habe letztes Jahr noch eine solche gesehen: auf der Ausstellungseröffnung von Anne-Mie Devolder war die Bauernfamilie Mariotti zugegen. So klein und schmächtig die in deren Mitte sitzende alte Frau war – sie wirkte auf mich klar wie die Chefin der Familie!

Wer ist also die Vergara?

Unter der männlichen Form, Vergaio, war in Mittelitalien derjenige gemeint, der die Herde hütet. Und man könnte meinen, daraus leite sich die weibliche Form, Vergara, ab, als diejenige, die die gesamte Familie hütet. Verga bedeutet aber auch Stock, so wie er auf den Bauernhöfen verwendet wurde: um die Tiere zu scheuchen; aber auch die Kinder, wenn sie unartig waren. Damit ist diejenige, die den Stock besitzt, auch diejenige, die die Macht über den Hof hatte. Auch wenn es nach außen hin der Mann / der Bauer zu sein schien. Und so ist der Stock das Markenzeichen der Vergara.

Im 19. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts bestand in Italien noch das Pachtsystem, die Mezzadria. Die Pachtbauern, die das Land von Großgrundbesitzern pachteten, lebten unter ärmlichen Verhältnissen, denn sie mussten einen Großteil ihrer Erträge abgeben. Die Familien der Pächter waren groß und lebten alle unter einem Dach.

Nur mit Superkräften, wie sie eine Vergara hatte, konnten Familie, Hof und Erträge zusammengehalten werden.

So würde etwa ein Steckbrief der Vergara aussehen:

  • Hauptbeschäftigungen:
    • die Familie zusammenzuhalten und
    • mit Essen zu versorgen (wir sind in den Marken, der Begriff „nicht hungrig“ wurde nicht akzeptiert)
    • ein Schläfchen nach dem ausgiebigen Sonntagsessen halten
    • die Familienmitglieder anleiten oder auch zurechtweisen
    • die Tiere versorgen
    • den Garten bestellen
    • den Kamin am Brennen halten
    • Kleidung und Wäsche weben, nähen, ausbessern
    • die Kontakte zur Nachbarschaft halten
  • Lieblingsessen:
    • alles, was sie selber zubereiten konnte, von Schinken und Würsten bis zu Kuchen, von Polenta bis zu hausgemachter Pasta.
  • Lieblingsgegenstände:
    • die Schürze (im marchigianischen Dialekt zinale genannt). Die guten Sachen durften nicht dreckig werden, sodaß die Schürze fast immer getragen wurde.
    • dazu Holzpantinen, denn die guten Schuhe wurden nur getragen, wenn die Leute ausgingen.
    • Küchengeräte, wie gewaltige Pfannen und Töpfe, um die große Familie zu versorgen.
    • geheime Zutaten der Region, wie der Alchermes Likör
    • der Stock als Universalwerkzeug
In Cacciano gibt es ein großes Wandbild einer typischen Vergara

Es wäre falsch, die Vergara einfach nur als „Hausfrau“ zu sehen. Sie war eine Power-Frau: Sie arbeitete auf dem Hof mit, hatte die „Macht“ über die Familie, kümmerte sich um die sozialen Belange und war ein entscheidender ökonomischer Faktor für den Hof: Nur weil sie alles selber machte, von der Wurstherstellung bis zur Kleidung, kam die arme Pächter-Familie auch finanziell über die Runden.

Trippadvisor – der Blog über die marchigianischen Traditionen

Die Bloggerin Deborah Iannacci hat uns die Figur der Vergara wieder ins Gedächtnis gebracht. In ihrem Blog Trippadvisor schreibt sie über die Traditionen des Landlebens in den Marken und darin ist die Vergara die Hauptperson.

Zum Schluss wollen wir Deborah hier zu Wort kommen lassen:

„Die große Frau, die sich hinter dieser Schlüsselfigur in der Geschichte der Marken verbirgt, ist keine andere als eine Matrone, die in ihrer Kindheit viel gelitten hat, die aber auch hart gearbeitet hat, die die kleinen Dinge zu schätzen weiß und die es vorzieht, ihre große Liebe für die ganze Familie durch die wunderbaren Gerichte zu zeigen, die sie zubereitet.

Vergara war und ist immer ein großes Vorbild für eine Frau, sie ist mehr als eine Mutter, mehr als eine Großmutter … kurz gesagt, sie ist eine Superheldin. Aber statt eines Umhangs trägt sie eine prächtige geblümte Zinale!“

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)


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