Ecco Le Marche

Federico von Marchecraft hat uns schon so einige typische Kunsthandwerke der Region Marken vorgestellt. Dieses Mal schlug er vor, Marco Quacquarini zu besuchen, der Kurse zur Herstellung von Holzspielzeugen anbietet.

Und so haben sich unser komplettes eccolemarche Blog-Team mit Laura, Isabelle und Elke mitsamt einer unserer treuen deutschen Leserinnen, Ursel, auf den Weg nach Caccamo gemacht, wo wir auf Marco in seiner Werkstatt trafen. Um ehrlich zu sein, hatten wir eine kleinere Schreinerei erwartet, so etwa wie die von Meister Gepetto und Pinocchio.

Fantawood 1936 steht über dem Eingang. Aber 1936 war der junge Marco mit Sicherheit noch nicht geboren! Also fragen wir nach. Ja, sein Großvater habe die Werkstatt gegründet und sein Geist spuke immer noch herum. Ein eingerahmter Zeitungsartikel berichtet davon. Aber auch die alten Werkzeuge, die Marco selber nicht mehr nutzt, weil es heutzutage modernere gibt, haben einen Ehrenplatz an der Wand.

„Holz-Künstler in den Fußstapfen seines Großvaters“ titelt die Zeitung

Marco stellt uns ein paar Stühle hin und beginnt zu erzählen und uns wird klar, dass seine Biografie etwas komplizierter ist als nur „Enkel übernimmt Großvaters Tischlerei“. Hier seine Geschichte:

Sein Großvater kam 1930 auf die Welt und ging schon mit 6 Jahren (!) nach Schule und Mittagessen zu einem Handwerker in die Lehre. Was für uns brutal klingt war damals ein Glück, sagt Marco, denn es bedeutete, dass man einen Beruf erlernte, mit dem man später seinen Lebensunterhalt selbst verdienen konnte. Daher brachte seine Mutter dem Handwerker aus großer Dankbarkeit auch oft Geschenke mit.

Der Großvater machte sich tatsächlich selbstständig, heiratete und bekam eine Tochter, Marcos Mutter, die später selber Handwerkerin, das heißt Lederverarbeiterin, wurde. 1993 ging der Großvater in Ruhestand. Zwar spielte Marco früher häufig in der Schreinerwerkstatt seines Großvaters, zeigte aber zunächst wenig Interesse, dessen Metier weiterzuführen. Er hatte seinen eigenen Kopf und seine eigenen Träume. So arbeitete er in den verschiedensten Berufen, von der Landwirtschaft bis zur Fabrikarbeit, vom Museumsangestellten bis zum Thai-Masseur (!). Erst 2018 beschloss er, doch in Großvaters Fußstapfen zu treten und begann eine Lehre bei einem Schreiner in San Severino Marche.

Warum er nicht direkt bei seinem Großvater gelernt hat, fragen wir. Nun, meint Marco, die Werkstatt und die Arbeitsweise des Großvaters waren veraltet und er fürchtete viele Diskussionen darum. Aber nach und nach übernahm er doch einige Maschinen des Großvaters, die noch von guter solider Qualität waren, und machte sich damit selbständig.

Marco hatte, auch durch die früheren Jobs, viele Kontakte und baute sich rasch einen eigenen Kundenstamm auf. Was er denn für Holzarbeiten bisher gemacht hat? Alles, sagt er, außer Türen und Fenster. Auf jeden Fall arbeitet er immer sehr kreativ. Und was er nicht weiß, versucht er herauszufinden und sich selber beizubringen. Er zeigt uns Fotos seiner verschiedenen Artefakte, von originellen Bücherregalen über Tische bis hin zu Kinderspielzeug. Auf seiner Webseite kann man einige seiner Werke sehen.

Er experimentiert gerne mit verschiedenen Materialien, so kombiniert er zum Beispiel Holz und Baumharz, wie in dem Lampenschirm hier unten. Das Harz dafür hat er selber gesammelt.

Autodidaktisch brachte er sich neue Techniken bei so zum Beispiel eine traditionelle japanische Methode, Holzrahmen haltbar zu machen, indem man die Oberfläche anbrennt, statt sie zu lackieren. Sehr apart und modern aussehend, dabei bleibt die Originale Holzmaserung und Holzstruktur gut erhalten. Und der fertige Rahmen sei sehr widerstandsfähig, betont Marco.

Inzwischen hat er sich eine moderne Ausrüstung zugelegt und die alten Werkzeuge des Großvaters als Erinnerung an die Wand gehängt. Bei seinem Großvater stand man immer knöcheltief im Holzstaub, das störte Marco, und so baute er kurzerhand eine eigene Filter- und Absauganlage, an die er alle Maschinen anschließen kann. Auch das ein Beispiel für seine vielen Ideen, die er entwickelt und umsetzt.

In Zusammenarbeit mit Marchecraft bietet er nun auch Kurse an, in denen die Teilnehmer Holzspiele selber bauen können. Inspiriert wurde er dazu von einem Spielebuch, aus dem er nun schon einige Spiele in Workshops mit Schulklassen nachgebaut hat.

Begeistert entdeckt Isabelle auf den Fotos sogar ein Shuffleboard – das kennt sie noch von früher!

Genug geredet – zum Schluss führt uns Marco noch seine Hobel-, Drechsel-, Säge- und Schleif-Maschinen (und die grandiose Absauganlage für die Holzspäne) vor.

Sein Großvater holte das Holz noch aus den umliegenden Orten und transportierte es mit einem Maultierkarren oder auch schon mal auf dem Dach des Linienbusses. Heute kommt das Holz von überall: Sein Kastanienholz bezieht er aus Kalabrien und die anderen Sorten aus Nordeuropa und dem Balkan. Aber besonders schön findet er es, altes Holz mit Geschichte zu verwenden: Für einen Kunden, dessen Haus bei einem Erdbeben zerstört wurde, benutzte er die alten Dachbalken aus Eiche und verarbeitete sie zu einem Parkettboden für dessen neues Haus.

Mit seinen Freunden zusammen erstellte er die Wanddekoration und entwarf sein eigenes Fantawood-Logo. Dafür hat er sich ein Brandzeichen gebaut, mit dem er seinen Werken seine Signatur einbrennt.

Bevor wir die Werkstatt verlassen, dürfen wir noch seinen selbst gemachten Vino Cotto, eine Spezialität der Gegend von Loro Piceno, probieren. Die Trauben werden zweimal gepresst und der Saft eingekocht und gelagert, bis er zu Wein wird. Sehr lecker – finden auch Laura und Isabelle!

Wer Marco und seine Fantawood-Werkstatt besuchen möchte oder vielleicht sogar einen Auftrag für ihn hat, findet ihn im Zentrum von Caccamo, einem Vorort von Serrapetrona. (Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an unseren Artikel über den berühmten Schaumwein von Serrapetrona, den Vernaccia).

Und wer sich für solch einen Spiele-Workshop interessiert, der kann ihn über Marchecraft buchen oder dort mehr Informationen erfragen.

Uns hat es jedenfalls ausgesprochen viel Spaß gemacht, die junge Version des Meisters Geppetto zu treffen!


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