Ecco Le Marche

Eigentlich sind Mit-Bloggerin Isabelle und ihr Mann die grossen Eisenbahnexperten. Isabelle ist als Kind immer mit dem Zug zu ihren verschiedenen Verwandten nach Italien und Belgien gereist und Erik muss als Kind schon Eisenbahn-Enthusiast gewesen sein. Aber auch ich bin schon mit dem Zug von Italien nach Deutschland gereist und will dies in Zukunft häufiger tun.

Glücklicherweise wird heutzutage immer mehr Wert auf nachhaltiges Reisen gelegt, und die Eisenbahn hat dabei eine wichtige Funktion. Die Region Marken und verschiedene Vereine, versuchen, die vielen stillgelegten Eisenbahnlinien wieder in Betrieb zu nehmen, wie zum Beispiel die Subappennina Italica. Diese führte früher von Urbino bis Fabriano und dort konnte man dann in den Zug nach Rom Umsteigen. Im Jahr 1987 war jedoch von dieser Strecke nur noch der Abschnitt Pergola-Fabriano übrig, der 2013 aufgrund eines Erdrutsches vollständig abgerissen wurde.

Zu unserer großen Überraschung wurde in diesem Frühjahr die Wiedereröffnung dieser Strecke Fabriano-Pergola angekündigt, erstmal nur für touristische Fahrten. Eine alte Diesellok aus den 1960er Jahren sollte vier historische Wagen aus den 30er Jahren ziehen, die wegen der Balkone, auf denen man während der Fahrt stehen konnte, auch Terrazzini genannt wurden. Zusätzlich gab es noch einen Waggon für Fahrräder, denn wer wollte, konnte schon am Bahnhof Belissario Solfare aussteigen und dann bis Pergola radeln.

Wir waren also sehr neugierig und hatten schon Monate vor dem großen Ereignis darüber gesprochen!

Es wurde keine Zeit verschwendet! Im Juni wurde bereits eine Inspektion der gesamten Strecke durchgeführt, inklusive Kontrolle der Schienen, Brücken, Tunneln, Bahnübergängen und Bahnhofsgebäuden. Der Juli und August wurden genutzt, um die festgestellten Mängel zu beheben. Der Fond der italienischen Eisenbahnen half bei der Finanzierung.

Und auch danach gab es noch viel zu tun: Unkraut entfernen, Gleise säubern, Bahnhöfe streichen und vieles mehr. Und alles in Eiltempo, denn die erste Fahrt war bereits für den 26. September geplant. Aber in gemeinsamer Kraftanstrengung haben es alle geschafft, den Termin einzuhalten: Glückwunsch an die vielen Arbeiter und Helfer!

Insgesamt waren 3 Fahrten für 2021 geplant: am 26.9., am 3.10. und am 24.10. Der Zug sollte jeweils in Ancona starten und mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h über verschiedene Zwischenstationen nach Pergola fahren.

Die Anmeldung und die Beschaffung von Informationen war dagegen sehr chaotisch und kompliziert: zunächst wusste niemand, wo man reservieren konnte und stattdessen gab es Gerüchte über exorbitante Preise, die sich später nicht bestätigten. Um es kurz zu machen: wir waren genervt und beschlossen, uns den Zug in den Bahnhöfen und entlang der Strecke anzusehen, anstatt selber mitzufahren.

Laura konnte nicht mitkommen: Es gab eine Möglichkeit für die Fahrgäste, in Sassoferrato auszusteigen und mit Bussen zu einer Besichtigung der Schwefelmine in Cabernardi gefahren zu werden. Laura war dabei für die Koordinierung der Reiseführer zuständig und hatte alle Hände voll zu tun.

So fuhren Isabelle, Ursel (unsere treue Leserin) und ich am ersten Oktobersonntag zum Bahnhof von Fabriano, wo der erste Halt nach der Abfahrt in Ancona sein sollte. Wir dachten, wir hätten noch viel Zeit, denn am vorangegangenen Sonntag, als etliche Prominente bei der offiziellen Einweihung der Strecke dabei waren, hatte der Zug enorme Verspätung. Aber weit gefehlt – der Zug war bereits pünktlich im Bahnhof eingelaufen und wartete auf den Anpfiff in Richtung Sassoferrato. Der Bahnsteig war voller Zuschauer, die alle die Abfahrt fotografieren und filmen wollten.

Mit sommerlichen Temperaturen von 28 Grad war der Tag perfekt, die Stimmung unter den Passagieren an Bord war bestens und viele winkten uns bei der Abfahrt zu.

Also schnell zur nächsten Station, Sassoferrato-Arcevia! Leider war die Straße entlang der Bahnlinie gesperrt und wir mussten einen Umweg fahren. Aber wir gewannen wieder Zeit, denn in Sassoferrato-Arcevia hatte der Zug etwas mehr Aufenthalt, um die Passagiere, die die Besichtigung der Schwefelmine in Cabernardi gebucht hatten, in die Busse zu verfrachten.

Weiter Richtung Pergola. Dieses Mal konnten wir auch unterwegs ein paar Fotos machen!

Pünktlich in Pergola angekommen, erspähten wir schon mehrere Busse, die einen Teil der Fahrgäste zum Museum mit den vergoldeten römischen Bronzestatuen bringen sollten.

Die Ankunft des Zuges wurde eine feierliche Angelegenheit, mit zur Begrüßung gehisster Italienischer Fahne an einem tip-top renovierten Bahnhof. So müssen damals die ersten Züge begrüßt worden sein …

Der Zug würde hier den ganzen Nachmittag stehen und sich erst am frühen Abend wieder in Richtung Fabriano bewegen. Das war der ideale Moment, um einen Blick ins Innere zu werfen!

Isabelle fühlte sich zurück in ihre Kindheit versetzt: an die harten Holzbänke und die Einrichtung konnte sie sich noch gut erinnern!

Am Ende hatten wir eine ganze Menge schöner Fotos gemacht, auch wenn wir die Zugfahrt selber nicht mitgemacht hatten. Darüberhinaus gab uns die Organisation Viaggiatori del Mondo (Weltreisende) freundlicherweise die Erlaubnis, ihr Video, das sie während der Zugfahrt gedreht hatten, zu veröffentlichen. Viel Spaß!

Die nächste und vorerst letzte Fahrt findet am Sonntag, dem 24.10.2021 statt, jedoch sind alle Plätze bereits ausgebucht. Es sei denn, es sagt noch jemand in letzter Minute ab. Hier die Webseite für die Reservierungen.

Alternativ könnt Ihr zu einem der Bahnhöfe fahren und dem Zug dort bei Ein- oder Abfahrt zusehen, so wie wir es getan haben.

Wir fanden es eine großartige Initiative zum europäischen Jahr der Eisenbahn. Wir hoffen, dass sie ihre Ankündigung wahr machen können, diese Bahnlinie im nächsten Jahr nicht nur für Touristen, sondern auch für den regelmäßigen Pendlerverkehr wieder in Betrieb zu nehmen. Weitere Projekte der Region sehen vor, die Verbindung Ancona-Rom zweigleisig auszubauen, sowie sich für die Hochgeschwindigkeitsstrecke Bologna-Lecce einzusetzen. Und wer weiß, vielleicht gibt es in Zukunft auch wieder Züge von Urbino nach Fano …


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