Ecco Le Marche

Im März wurde das Lehmhaus von Monteroberto für einen Tag der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und es gab verschiedene Termine für Führungen. Wir hatten 2019 bereits einen Artikel über ein ganzes Areal von Lehmhäusern in Villa Ficana in der Nähe von Macerata geschrieben, aber das Haus hier liegt ganz bei uns in der Nähe. Also hat sich Isabelle angemeldet und ist hingefahren.

An dem Haus sind wir seit Jahr und Tag vorbeigefahren, denn es liegt auf dem Weg von unserem Ort Cupramontana ins Tal. Erst war es recht heruntergekommen und Jahr um Jahr wurden immer wieder kleine Renovierungen sichtbar. Ich habe noch gedacht, wer restauriert ein Haus so langsam über etliche Jahre und dann mit so viel Liebe zum Detail. Tatsächlich war es die Kommune von Monteroberto, die die Restaurierung vorangetrieben hat.

Der Fremdenführer begrüßte die Teilnehmer und erklärte, dass die Gemeinde Monteroberto das Gebäude bereits 1998 von einer Familie Fava gekauft hatte. Die ersten Renovierungsarbeiten an den Außenmauern fanden von 2002 bis 2004 statt. In den Jahren 2012-2013 wurde die Ostseite des Hauses repariert und nach dem Erdbeben von 2016 setzten sie auch das Innere instand. Schließlich wurden die Innenwände restauriert und eine Holztreppe eingesetzt, die das Erdgeschoss mit dem Obergeschoss verband. Die früheren Bewohner betraten ihre Wohnräume im Obergeschoss vermutlich noch über eine Außentreppe.

Diese Lehmhäuser waren für die Ärmsten der Armen bestimmt, oft für Lohnarbeiter, sehr arme Landbesitzer oder solche, die von ihren Pachtgrundstücken vertrieben worden waren. Die Menschen schämten sich oft, in so einem Haus zu leben. Heutzutage wird dagegen der Lehmbau geschätzt. Meine Freunde haben ihr Haus aufwendig mit Lehmputz versehen, weil das Raumklima dann angenehmer und gesünder sein soll.

Im Jahr 1934 waren in den ganzen Marken offiziell 1401 Lehmhäuser registriert. Vermutlich waren es noch mehr, aber die meisten wurden als Zeugen der völligen Armut sobald wie möglich abgerissen. Oder sie wurden von den Bewohnern verlassen und der Zahn der Zeit hat sie über die Jahre zerstört.

Während der Führung erzählten sie, dass das Haus im 19. Jahrhundert das Licht der Welt erblickte, und dass es schon immer alleine stand und nie Teil eines Viertels oder einer Ortschaft war. Bevor ein solches Haus gebaut wurde, untersuchte man den Boden sorgfältig, denn der Lehm musste gut sein und aus der unmittelbaren Umgebung stammen, denn für den Transport gab es kein Geld. Oft kamen viele Menschen, um zu helfen: sie mischten Lehm mit Stroh, legten ihn in kastenförmige Holzformen und liessen ihn in der Sonne trocknen um schließlich Lehmziegel zu erhalten.

Zunächst wurde ein Fundament aus Ziegeln gebaut und dann die Ställe oder Lagerräume im Erdgeschoss. Früher war der Boden tiefer gelegen, aber mit der Zeit hat er sich gehoben, so dass der Eingang kleiner wirkt, als er früher tatsächlich war.

Drinnen gab es keine Elektrizität und man konnte noch Reste des Putzes sehen, der zum Schutz vor Insekten blau gefärbt war.

Unser Haus, was wir vor mehr als 10 Jahren hier in der Gegend restauriert haben, war zwar kein Lehmhaus, sondern ein Steinhaus, aber auch aus dem 19. Jahrhundert. In den Ställen im Erdgeschoss gab es auch blauen Putz und im Anbau gab es teilweise Ziegel mit Strohverfüllung. Die Zwischendecke war typisch für die Gegend: Große Balken, darüber kleinere Latten in genau dem Abstand gelegt, dass man die Ziegel darauf auslegen konnte. So war es auch bei unserer Casa, allerdings haben wir dann bei der Renovierung etwas „gepfuscht“ und Beton über die Ziegel gegossen und darüber Fliesen gelegt, so dass ein stabilerer Boden entstand, obwohl es von unten dann immer noch nach traditioneller Decke aussieht. Im Lehmhaus in Monteroberto kann man noch den Urzustand einer solchen Zwischendecke mit den lose gelegten Ziegeln sehen.

Über die Treppe gelangt man in den ersten Stock, wo sich ein Kamin und ein Waschbecken befanden. Es muss aber noch mehr Waschbecken gegeben haben, da es im Haus mehrere Abflusslöcher gab.

Ein kleines Häuschen, in dem seit dem 19. Jahrhundert Familien ihr ganzes Leben verbrachten. Wenn die Wände erzählen könnten!

Eine sehr interessante Tour. In Zukunft wollen sie mehr Führungen anbieten, aber es gibt bis jetzt noch keine Termine. Wer von Monteroberto nach Cupramontana hochfährt, kann das Haus auf der rechten Seite sehen. Es gibt ein Schild mit der Aufschrift Casa di Terra und man kann durch die Fenster hineinschauen. Hier sind die Google-Koordinaten: Casa di Terra e Paglia. In der Nachbarschaft gibt es noch ein weiteres Lehmhaus, aber das ist sogar noch bewohnt!


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