Ecco Le Marche

Auch im Dezember gibt es noch viele Veranstaltungen in den Marken, die sich lohnen: Mit-Bloggerin Isabelle hatte sich für eine geführte Wanderung mit Show-Cooking (oder genauer: Show-Baking) in Cingoli entschieden, denn dort sollte ein sehr traditionelles marchigianisches Weihnachtsgebäck, die Cavallucci, gebacken werden.

Die Veranstaltung von Travelearn ging um 15:30 Uhr mit einer halben Stunde Verspätung los. Sie verkürzten deshalb die Wanderung, aber niemand beklagte sich, denn der Wind war schneidend kühl. Startpunkt war die Porta Piana. Begleitet wurde die Gruppe von zwei lokalen Musikern und einem Fremdenführer, der einige historische Details erklärte. Dazwischen gab es Erläuterungen der beiden Food Bloggerinnen Ilaria Cappellacci und Anna Maria Giretti.

Den ersten Halt gab es direkt hinter der Porta Piana, um Erläuterungen zur wunderschönen Fassade zu bekommen, die die Seite der Kirche San Esuperanzio säumte.

Weiter ging es über die Via Ferri und die Via Roma, vorbei an der Statue des Römers Titus Labienus, der hier geboren wurde.

Er war einer der wichtigsten Offiziere Julius Cäsars in den Gallischen Kriegen. Später schlug er sich jedoch auf die Seite von Pompejus und wurde zum Feind seines ehemaligen Feldherrn. Er starb in der Schlacht von Munda (45 v. Chr.) in Spanien und sein Kopf wurde als Trophäe zu Cäsar gebracht.

Schließlich erreichte die Gruppe den Aussichtspunkt der Stadt: nicht umsonst wird das 600 Meter hoch gelegene Cingoli der Balkon der Marken genannt. Durch das graue Wetter konnte man das atemberaubende Panorama nicht erleben, aber an sonnigen, klaren Tagen kann man manchmal sogar die Küste von Kroatien sehen.

An der Mauer entlang ging es zu der Stelle, wo einst ein Stadttor stand. Stattdessen befinden sich dort heute zwei Gedenktafeln mit einer lateinischen Inschrift (mit italienischer Übersetzung), die aus Caesars „Bello Civili“-Werk stammt und vom Römer Labienus handelt.

Labienus spendete der römischen Stadt Cingulum Geld, um die Mauern zu verstärken. Übrigens befand sich Cingulum nicht an der Stelle des heutigen Cingoli, sondern etwas tiefer, wo heute Borgo Lorenzo liegt. Allerdings sind dort aus Geldmangel nie ernsthafte Ausgrabungen getätigt worden, so dass es wahrscheinlich unter der Erde noch viel zu entdecken gibt!

Die kleine Reisegruppe von Isabelle ging wieder Richtung Zentrum, vorbei an einem alten Turm, wo sich das ehemalige Stadttor Capranica befand.

Im Park, den sie danach erreichten, spielten die beiden Musiker ein kurzes Liedchen.

Um 16:30 Uhr kehrte Isabelle mit dem ersten Teil der Gruppe in der Hotelschule Varnelli ein, um dem Show-Cooking beizuwohnen. Die zweite Gruppe wollte erst noch zum Palazzo Castiglioni, dem Haus von Papst Pius VIII gehen, aber darüber hatten wir von eccolemarche ja bereits einen Artikel geschrieben. Auf jeden Fall sehr sehenswert!!

Zur grossen Erleichterung war das Gebäude beheizt! Schön dekorierte Tische erwarteten die Gäste für die Verkostung.

Alles war sehr professionell eingerichtet – Isabelle konnte die ganze Kochshow sogar auf einem großen Bildschirm verfolgen! Aber zunächst gab es die offizielle Begrüßung durch Bürgermeister und Geschäftsführung und erst danach die Präsentation des Cavallucci-Rezeptes. Isabelle lernte, dass die Cavallucci ein Weihnachtsgebäck waren, das im Mittelalter in den Küchen der einfachen Bauern entstanden ist. Ursprünglich sogar ohne Eier und Zucker, denn diese Zutaten waren zu kostbar.

Das Rezept, welches der Gruppe präsentiert wurde, enthielt allerdings Eier und Zucker, denn es stammte von einer Adelsfamilie aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die ältere, traditionelle Version könnt Ihr übrigens in unserem Blog nachlesen, denn unsere Mamma Graziella hatte uns ja damals schon ihr Rezept verraten.

Der Name des Gebäcks, Cavallucci, kommt von cavallo, was Pferd bedeutet, denn das Gebäck hat die Form eines Pferderückens mit Einschnitten auf beiden Seiten, die man als Pferdehaare interpretieren kann.

Es folgte ein interessantes Show-Cooking, bei dem allen das Wasser im Mund zusammenlief….

Als Nächstes war die Food-Bloggerin Ilaria Cappellacci an der Reihe, die eigentlich aus den nördlichen Abbruzzen stammt, aber wegen ihres Lebenspartners jetzt im Süden der Marken lebt. Sie hatte sich eine Variante mit Schokolade ausgedacht.

Außerdem ersetzte sie den Weißwein durch Rotwein, und verwendete zusätzlich getrocknete Feigen. Das fertige Gebäck wurde mit dem Buchstaben C für Cingoli und für Cavallucci versehen.

Die Food-Bloggerin Anna Maria Giretti entpuppte sich als echte Marichigianerin, mit einer Großmutter aus Cingoli (die sich ebenfalls im Kursraum befand). Als Kind durfte sie ihrer Großmutter immer beim Backen zusehen.
Auch Anna Marias Version war einfallsreich: sternförmig und mit einer Glasur, die nicht aus dem traditionellen Alchermes, sondern aus Maisstärke und Visciola-Wein bestand.

Inzwischen waren alle ordentlich hungrig geworden… die Weingläser waren zum einen mit dem Dessertwein Passito von der Cantina Colognola und zum anderen mit einem roten Visciola von der Azienda Agricola Antinori gefüllt worden. Wir bekamen eine Anleitung zum professionellen Weinkosten und durften danach unsere Eindrücke aufschreiben. Isabelles Wortschatz beschränkte sich aber auf „lecker“, denn beide haben gut geschmeckt!

Danach servierten 2 Studenten der Hotelfachschule die Cavallucci zusammen mit einem Stück Serpe, einem schlangenförmiges Gebäck, das ursprünglich zu Ostern, in den letzten Jahren aber eher zu Weihnachten gebacken wird.

Das waren echte Leckerbissen!!! Isabelle gefiel die Schokoladenversion zusammen mit dem Passito-Wein am besten.

Am Ende gab es großen Applaus für den ausgezeichneten Empfang und die hervorragende Organisation und alle Teilnehmer erhielten 2 Rezepte erhalten, die wir hier unter dem Artikel abgedruckt haben.

Ein sehr gelungener Nachmittag, der sich trotz der Kälte mehr als gelohnt hat !!!!
Aber jetzt kommt die Qual der Wahl: welche Cavalucci sollen wir backen?

Rezept 1 aus der Hotelfachschule:

750 gr. Mehl Typ 0 (entspricht etwa dem deutschen Typ 550)
400 gr. gehackte Walnüsse
200 gr. Zucker
200 gr. gehackte Mandeln
1,5 Glas Weißwein (vorzugsweise Verdicchio)
300 gr. kandierte Früchte
120 ml Sonnenblumenöl
200 gr. bitterer Kakao
1 Ei
4 Teelöffel Kaffeepulver
Zimt und geriebene Zitronenschalen
2 Gläser Marsala
2 Gläser abgekochten Wein
4 Gläser Saft
geriebene Schale von 4 Orangen
ein wenig Vanillezucker und etwas Paniermehl

für die Verzierung: Alchermes-Likör (roter Kräuterlikör) und etwas Puderzucker

Mehl, Zucker, Zimt und Zitronenschale mischen und zu einem Haufen formen und in die Mitte eine Vertiefung drücken. Da hinein kommen das Öl, der Wein und das Ei. Zu einer schönen Kugel kneten und eine Stunde lang bei Raumtemperatur ruhen lassen.
In der Zwischenzeit die Füllung zubereiten: Alle Zutaten, außer den Semmelbröseln, in einer Pfanne vermengen. 10 Minuten lang sieden lassen. Abkühlen lassen und sobald es nur noch lauwarm ist, gerade so viel Semmelbrösel dazugeben, dass es eine einigermaßen feste Masse wird. Weiter abkühlen lassen.
Die Teigkugel sehr dünn ausrollen und Scheiben von etwa 10-12 cm Durchmesser formen. In die Mitte jeder Scheibe ein wenig Füllung geben. Die Scheibe zunächst zu einem Halbmond falten und dann noch etwas weiter bearbeiten, bis sie die typische Form der Cavalucci annehmen.

Die Oberseite und die Seiten mit einer Schere ein wenig einschneiden. Dann im Ofen bei 180 Grad 20 Minuten backen. Wenn sie abgekühlt sind, mit rotem Alchermes-Likör bestreichen und obendrauf noch etwas Puderzucker geben.

Rezept 2 der Foodbloggerin Ilaria Cappellacci, auch auf der bekannten Rezepteseite Giallozafferano zu finden:

100 gr. Sonnenblumenöl
30 gr. Sultaninen
80 gr. Rotwein
50 gr. getrocknete Feigen
120 gr. Zucker
20 gr. gehackte Haselnüsse
1 Teelöffel Anis
20 gr. gehackte geschälte Mandeln
180 gr. Mehl Typ 0 (entspricht etwa dem deutschen Typ 550)
30 gr. dunkle Schokolade
180 gr. Mehl 00 (entspricht etwa dem deutschen Typ 405)
1 Teelöffel Zimt
1 Prise Backpulver
40 gr. Honig
100 gr. in kleine Stücke geschnittene Äpfel
30 gr. Butter
50 ml. Varnelli (marchigianischer Anis-Likör)

Sultaninen und Feigen 15 Minuten lang in warmem Wasser und etwas Varnelli einweichen.
Äpfel in der Butter und etwas Varnelli braten.
Die Nüsse und Mandeln mit den eingeweichten Sultaninen und Feigen mischen. Zimt und fast die gesamte Schokolade und den Honig hinzufügen. Die Äpfel werden zuletzt hinzugefügt.

Wein, Öl, Anissamen und Zucker vermengen. Mehl und Backpulver zugeben. Zu einer Kugel kneten. Gut ausrollen und kleine Rechtecke ausschneiden. Die Füllung in die Mitte legen und das Rechteck zu einem Zylinder aufrollen. Zum Schluss die Enden gut zusammendrücken und aus dem Stück den Buchstaben C formen. 20 Minuten bei 200 Grad im Backofen backen.

Den Rest der Schokolade im Wasserbad schmelzen.
Die Enden der Kekse erst in Varnelli und dann in die geschmolzene Schokolade tauchen. Mit Puderzucker bestäuben.

Rezept 3 der Food-Bloggerin Anna Maria Giretti wird von uns nachgereicht, sobald wir es erhalten haben.


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