Ecco Le Marche

Wer war Luigi Bartolini?

Luigi Bartolini (1892-1962) war mir zunächst als Schriftsteller bekannt, der in „meinem“ Cupramontana geboren wurde und das Buch Fahrraddiebe geschrieben hat. Das wurde international berühmt, als es von Vittorio de Sica verfilmt wurde. Bartolinis Buch wurde in über 40 Sprachen übersetzt! Aber er schuf nicht nur Literatur; er war darüber hinaus weltweit anerkannt für seine Radierungen und Gravuren.

Luigi Bartolini (aus Wikimedia Commons)

Seine Werke befinden sich im Besitz internationaler Museen, darunter dem MOMA in New York, der National Gallery of Art in Washington oder den Uffizien in Florenz.

Studiert hat Bartolini Kunst, Kunstgeschichte, aber auch Architektur und Anatomie in Siena, Florenz und Rom. Verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens in Rom, so zog es ihn zwischenzeitlich immer wieder in die Marken, wo er unter anderem in Camerino, Macerata und Osimo als Kunstlehrer tätig war. Während des Faschismus wurde er zwischenzeitlich nach Meran strafversetzt und als Kunstlehrer dort unter Beobachtung gesetzt.

Ausstellung „Bartolini attraverso il Colore“

2023 wurden anlässlich seines 60. Todestages etliche Veranstaltungen organisiert, darunter die Ausstellung „Luigi Bartolini attraverso il Colore“ (Bartolini in Farbe) im Museo Buonaccorsi in Macerata.

„Das klingt spannend, da gehen wir zusammen hin“, sagten wir uns vom eccolemarche-Blog. Und so fuhren wir an einem warmen Tag Mitte November nach Macerata. Wir parkten beim Sferisterio-Parkhaus, denn dort werden reichlich Parkplätze für Besucher der berühmten Freiluftarena bereitgehalten. Danach mussten wir ein paar Schritte gehen, da die sehenswerte Altstadt nur beschränkt befahrbar ist.

Laura hatte an dem Tag arbeiten müssen, und so waren wir relativ spät dort und hatten die schönen Museumsräume fast für uns alleine!

Mir waren Bartolinis Ölgemälde bis dahin nicht bekannt, aber als Fan von Expressionismus und Fauvismus gefielen mir die Werke auf Anhieb: Unglaublich kräftige Farben, die so ganz im Gegensatz zu Bartolinis meist einfarbigen Radierungen standen.

Schon das Poster am Eingang war unglaublich! Ein Eisvogel leblos neben einem Spachtel sagte schon alles über die Ausstellung: die intensiven Farben, der Humor beziehungsweise die Ironie in Bartolinis Bildern (ist der Eisvogel mit dem Spachtel getötet worden oder symbolisiert der Spachtel lediglich den großzügigen Umgang des Malers mit der Farbe?) und eines seiner typischen Motive, dem eigenwilligen Stilleben.

Die Ausstellung umfasst circa 60 Bilder und ist in 4 Themenbereiche gegliedert:

1. Stilleben – Nature Morte

Die Stilleben waren mir die Liebsten: keine grausam erschossene Fasanen wie auf einem klassischen Stilleben und keine Huldigung an die Jäger. Sondern eine poesievolle Darstellung, wie die der Pernice di Montagna (Alpenschneehuhn): Bartolini selber beschreibt den Vogel auf seinem Bild liebevoll als Engel mit Federn und rosafarbenen Füßen.

La pernice di montagna – das Alpenschneehuhn

2. Häusliche Intimität – Intimismo Domestico

Die Werke der häuslichen Intimität verrieten uns mehr über Bartolini. Er meinte, seine Werke wären immer autobiografisch, wie ja auch der Protagonist seines Buches Fahrraddiebe ein Alter Ego des Künstlers sein soll. Und so erspähen wir viele Porträts seiner Tochter, von Freunden und Selbstporträts.

3. Landschaften – Paesaggio

Auch in den Landschaften findet sich Bartolinis Erfahrung wieder: Wir erblickten Orte wie Flüsse, Meer und Hügel, wie wir sie aus den Marken kannten.

La riva del Martin Pescatore – das Ufer des Eisvogels

4. Alltägliches Leben – Brani di Vita

Die vierte Kategorie schließlich, die Lebensabschnitte (brani di vita), zeigten Szenen des alltäglichen Lebens, wie das Bild die Mäherinnen (mietitrice), wie sie zu seiner Zeit typisch für die Marken waren.

Bartolinis Poesie, Briefe und Prosa

In einigen Schaukästen gab es auch Beispiele seiner Poesie, Prosa und seiner Korrespondenz zu sehen. Ein Exemplar der Fahrraddiebe durfte natürlich nicht fehlen, ebenso wie einer seiner Umschlagentwürfe zum Thema.

Kutschenmuseum

Da wir nun schonmal vor Ort waren, schauten wir uns noch die Kutschenausstellung im Museo Buonaccorsi an, allerdings im Schnelldurchlauf, denn das Museum war kurz davor, zu schließen. Wir hatten schon einmal darüber berichtet, aber die Ausstellung kann man gut mehrfach sehen, fanden wir.

Dieses Mal war auch die simulierte Kutschfahrt geöffnet, zu der man sich eine virtuelle Strecke aussuchen darf:

Erdbeben und Kuchen

Und dann wollten wir auch noch ganz schnell die restlichen Räume des Museums sehen, denn hier gab es wunderschön dekorierte Räume. Aber, oh! Auf einmal sahen Laura und ich uns an und sagten: Der Boden hat gewackelt, uns ist etwas komisch – das war ein Erdbeben! Nein, meinte eine der Museumsangestellten, da wäre vermutlich nur ein Bus vorbeigefahren und hätte den Holzfußboden vibrieren lassen. Aber kurze Zeit später kam sie aufgeregt wieder und meinte, es wäre wohl tatsächlich ein Erdbeben gewesen. Zum Glück war aber nichts passiert.

Aber natürlich nahmen wir das gerne zum Anlass, uns in Macerata noch etwas Besonderes zu gönnen. In der Cioccolateria Magacacao gab es Törtchen, die jede Sünde wert waren, dazu noch mit Blick auf den Stadtturm (Torre Civica). Das Ganze draußen auf der zentralen Piazza della Libertà, auf der sich außer uns noch viele Studenten der ungewöhnlich milden Temperaturen erfreuten – wir schrieben den 14. November!

Tipps:

Die Ausstellung Bartolini attraverso il colore ist noch bis zum 7. April 2024 zu sehen.

Die Öffnungszeiten im Palazzo Buonaccorsi sind laut deren Webseite:

  • November bis März: dienstags bis sonntags 10:00 – 13:00 / 15:00 – 17:30
  • April, Mai und Oktober: dienstags bis sonntags 10:00 – 13:00 / 14:30 – 18:30
  • Die Kasse schließt 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeit.

Es gibt einen kostenlosen Audioguide, den man mittels QR-Code über das eigene Smartphone aktivieren kann – allerdings nur auf Italienisch. Viele der Tafeln in den Ausstellungsräumen sind aber zweisprachig auf Italienisch und Englisch.


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