Ecco Le Marche

Macerata, zwischen den Flüssen Chienti und Potenza gelegen, ist eine von 5 Provinzhauptstädten der Marken, mittendrin in der Region gelegen. Im 12. Jahrhundert als Zusammenschluss des bürgerlichen Castrum Maceratae mit dem kirchlichen Podium Sancti Juliani gegründet, wurde Macerata zunächst eine freie Gemeinde, die ab dem 16. Jahrhundert bis zur Vereinigung Italiens mit nur kurzer napoleonischer Unterbrechung zum Kirchenstaat gehörte.

Es gibt in der mittelalterlichen Stadt und seiner Umgebung einiges zu sehen, aber wir schlagen Euch in unserer Rubrik „… in 24 Stunden“ erst einmal einen Tagesausflug vor, um die schmalen Gassen und reichen Kulturschätze dieser Stadt zu erkunden.

Die Stadt ist mit 3 großen Parkplätzen außerhalb der Stadtmauern ausgestattet, von denen aus man jeweils bequem mit Lift, Rolltreppe oder kurzem Fußweg in die Altstadt gelangen kann. Hier im Stadtplan könnt Ihr die Lage der Parkplätze gut erkennen:

https://k9v7p5r6.stackpathcdn.com/wp-content/uploads/2019/11/MappaParcheggiMacerata_2020.pdf

Blogger-Freundin Laura besuchte Macerata dieses Jahr mit unserer unvergleichlichen Mamma Graziella zusammen. Sie sagen, die Orientierung in der Stadt ist sehr einfach, denn überall sind Schilder angebracht, die einem den Weg zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten weisen. Über einen QR-code kommt man sogar auf die Seite der Stadt und kann sich zu der jeweiligen Sehenswürdigkeit die google maps Navigation aufrufen.

Hier nun unsere Auswahl für einen Tag in Macerata, in die wir natürlich auch Vorschläge für Rast und Stärkung eingearbeitet haben – schließlich sind wir in der Region Marken und gutes Essen gehört hier einfach dazu:

9 Uhr Frühstück in der Pasticceria Maga Cacao

Eine der ersten touristischen Anlaufstellen in einem Ort ist natürlich die Touristen-Information. In Macerata befindet sie sich mitten im Zentrum auf der Piazza della Libertà. Hier kann man zum Beispiel für 10 EUR einen Museumspass für die lokalen Museen erstehen, der 7 Tage gültig ist.

Und siehe da, direkt hier am Platz eine wunderbare Bäckerei, in der wir den Tag angemessen beginnen können: Pasticceria Maga Cacao . Hier gibt es so viele herrliche Kuchen und Törtchen, dass es unmöglich scheint, sich für nur eine Sache zu entscheiden. Und so essen Laura und Graziella etwas vor Ort und nehmen sich direkt noch ein paar weitere Stückchen für später mit!

Und während sie ihren Cappuccino schlürfen, bewundern sie von ihrem Tisch aus den 64-Meter hohen Uhrenturm. Eine Besonderheit des Turmes ist die astronomische Uhr, die um das Jahr 1570 von den damals führenden Uhrmachern der norditalienischen Stadt Reggio Emilia gefertigt wurde. Sie zeigt neben der Zeit auch die Mondphasen, Sternzeichen und die Position der Himmelskörper an.

TIPP: Schaut Euch die Himmelskörper einmal genauer an: Neben Sonne und Mond sieht man nur 5 weitere: Das ist vermutlich deshalb, weil man um 1570 noch nicht mehr Himmelskörper kannte.

Den Turm selber kann man besteigen, denn es gibt mehrmals täglich geführte Touren, die man über die Touristeninformation buchen kann. Und wer einmal oben angekommen ist, der wird mit Aussicht auf ein grandioses Panorama, das von den sybillinischen Bergen bis zur Adria reicht, belohnt.

Auf der Tour erklären die Reiseführer:innen auch den komplexen Mechanismus der Uhr samt Glockenspiel. Die im Glockenspiel auftretenden Figuren der heiligen 3 Könige sowie die Muttergottes mit Kind wurden durch Kopien ersetzt. Die Originale, nebst der Original-Bronze-Platte der Uhr mit den Sternzeichen, sind im Museum des Palazzo Buonaccorsi ausgestellt, das wir im Anschluss besichtigen werden.

TIPP: Jeden Tag um 12 Uhr und um 18 Uhr öffnet sich die Tür über den Himmelskörpern und die Heiligen Drei Könige erscheinen und drehen eine Runde als Glockenspiel.

10:00 Los geht’s!

Unsere nächste Station ist nur wenige Meter von der Piazza della Libertà entfernt: Das Museum im Palazzo Buonaccorsi. Der im 17. Jahrhundert aufwendig erbaute Palast der Buonaccorsi ist an sich schon ein Hingucker, aber uns interessiert als erstes das Kutschenmuseum, von dem wir schon viel gehört haben. Laura meint, der Besuch dort war wirklich toll:

Im Keller des Palazzo werden die Besucher:innen von 24 Kutschen auf eine Zeitreise mitgenommen! Das Museum wurde vom damals 78-jährigen Grafen Pier Alberto Conti aus Civitanova Marche gestiftet und wird vom lokalen Lions Club unterstützt.

Was immer Euch in den Sinn kommt, wenn Ihr an Kutschen denkt – hier werdet Ihr es höchstwahrscheinlich zu sehen bekommen: sehr alte Kutschen, Lehrbücher für den Reitsport, Drucke und alte Fotografien. Daneben eine reichhaltige Sammlung von Sätteln, Trensen, Peitschen, Halftern, Hufeisen und Geschirren. Auch Kinderwagen sind eine Art Kutsche, lernt Laura beim Besuch!

Auf den ersten und zweiten Stock des Museums verteilt gibt es drei Kunstausstellungen: Die erste, Arte antica betitelt, bietet Gemälde aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. Die Galleria dell’Eneide enthält eine Serie von Bildern über den Helden Aeneas aus der griechischen und römischen Mythologie und die letzte, Arte Moderna genannte, zeigt zeitgenössische Bilder ab dem 20. Jahrhundert.

Das Museum ist sehr umfangreich und Laura und Graziella verbringen volle zwei Stunden darin!

12:30 Zeit für ein gesundes Mittagessen

Zum Mittagessen suchen Mamma Graziella und Laura nach etwas Besonderem und finden es im Verde Caffè: Alle Gerichte hier sind vegetarisch und sehr ansprechend zusammengestellt, die Zutaten aus eigenem Anbau oder aus der Gegend und saisonal. Absolut empfehlenswert, meint Laura!

Wer an einem heißen Sommertag kommt, sollte danach eine Siesta im öffentlichen Park in Erwägung ziehen: hier kann man mit Blick auf die sybillinischen Berge entspannen. Den Park erreicht Ihr über einen Aufzug nur wenige Meter vom Verde Caffè entfernt.

14:00 Man soll ein Buch nie nach seinem Einband beurteilen!

Ein absolutes Muss in Macerata ist die alte Bibliothek Mozzi Borgetti. Sie sieht vielleicht von außen nicht so spektakulär aus, aber mit ihren 400000 Exponaten ist es eine der größten der ganzen Region, in der sich Wiegendrucke aus vor-Gutenbergischer Zeit, Manuskripte, Karten, Statuen und Gerichtsakten befinden. Die Bibliothek, wie sie heute ist, hatte zwei Ursprünge: Der erste war die ehemals erste öffentliche Bibliothek und Universitätsbibliothek des Ortes, von den Mozzi-Brüdern Giuseppe und Bartolomeo 1787 gestiftet. Dazu kamen 9176 Artefakte aus der Sammlung des Dominikaner-Priesters Tommaso Maria Borgetti aus dem Jahre 1834.

1855 wurden diese beiden Sammlungen zusammengelegt und so entstand die beeindruckende Mozzi Borgetti Bibliothek.

Alleine die Räume der Bibliothek sind sehenswert, denn die meisten Decken und Wände sind mit wunderbaren Gemälden lokaler Künstler verziert. Daneben die Spiegelgallerie mit Portaits von Philosophen und Wissenschaftlern. Und nicht zuletzt die Büchersammlung, mit alten Ausgaben aus allen möglichen Bereichen.

Leider ist das Museum Palazzo Ricci gegenüber gerade wegen Renovierung geschlossen.

Und wenn Ihr schon in Macerata seid, dann solltet Ihr auch die Gelegenheit ergreifen, durch die Gassen mit den netten kleinen Geschäften zu flanieren. Laura empfiehlt die Via degli Orti entlangzugehen und hin und an den Kopf zu heben um dabei die kleinen, teils bepflanzten „Brücken“ zu betrachten, die die Häuser miteinander verbinden.

16:00 Arena von Macerata

Das bekannteste Gebäude in Macerata ist sicherlich die Arena Sferisterio aus dem 19. Jahrhundert, die wir schon einmal in einem eigenen Artikel beschrieben haben und natürlich auch in unserem Artikel über die Marken als Region der 100 Theater. Es gibt in Macerata auch eines dieser schönen kleinen Theater, das Teatro Lauro Rossi aus dem 18. Jahrhundert (das bei Lauras und Graziellas Besuchstag leider geschlossen hat). Aber die Open-Air-Arena, das Sferisterio, ist nochmal ein ganz anderes Erlebnis und Ihr solltet Euch, wenn Ihr könnt, einmal Karten für eine der Opern oder der Pop-Konzerte im Sommer buchen. Ich habe dort mit meinem Mann vor einigen Jahren in einer lauen Sommernacht „Aida“ gesehen – wunderbar!

Laura war im Februar 2022 dort und hat die Wander-Ausstellung Raffaello. Le mostri impossibili (Raffael. Die unmöglichen Werke) besichtigt.

TIPP: Wer es nicht zu einem Konzert oder zu einer Oper schafft: Es gibt auch geführte Touren durch das Sferisterio.

17:00 Traditionen und Aperitivo

Noch einen letzten Schluck Tradition und Kultur bevor wir unseren Rundgang durch Macerata für heute schließen: Die Weber-Werkstatt “La Tela di Ginesi e Varagona” hinter der Porta S. Giuliano, dem ältesten Tor Maceratas, bietet hier seit 1986 eine voll ausgestattete, traditionelle Weber-Werkstatt mit angeschlossenem Museum.

Aperitivo time

Vom S. Giuliano Tor aus empfehlen wir, wieder zurück zur Piazza della Libertà zu gehen, um dort eines der leckeren belegten Panini (Brötchen) der Porchetteria centrale zu probieren. Sie bieten dort Brötchen mit allen möglichen typisch marchigianischen Wurstbelägen an, zum Beispiel mit der berühmten Porchetta (mit wildem Fenchel gewürztem Schweinebraten) oder mit Fenchelwürstchen (Salsicce). Dazu gibt es leckeren regionalen Wein oder Bier.

TIPPS:

  • nur wenige Kilometer ausserhalb von Macerata befindet sich das Eco Museum of Villa Ficana, das 2022 Geburtstag feiert.
  • Die archäologische Ausgrabungsstätte Helvia Recina beim Ort Villa Potenza ist ein Schritt …in die Zukunft! Sie bietet neuerdings virtuelle Techniken an, mit denen man sich zurück in das Leben der alten Römer versetzen kann.
  • Einmal im Jahr gibt es die Pilgerwanderung von Macerata zum Heiligen Haus von Loreto. 2022 findet sie am 11. Juni statt!

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